Warum G.I. JOE: RETALIATION wirklich auf 2013 verschoben wurde

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Letzte Woche berichteten wir via unserer Facebook Fanpage und Twitter über die schockierende (weil schockierend) kurzfristige Verschiebung von G.I. JOE: RETALIATION ins Frühjahr 2013. Als Grund wurde die nachträgliche Konvertierung des Films in 3D angegeben. Doch das ist allerhöchstens die halbe Wahrheit.

Das Hollywood Studio Paramount Pictures, das G.I. JOE: RETALIATION produziert und vertreibt, ist wirklich nicht zu beneiden. Zwei seiner grossen Hoffnungsträger für dieses Jahr, Eddie Murphys NOCH TAUSEND WORTE und Sacha Baron Cohens DER DIKTATOR, sind weit hinter ihren Erwartungen zurück geblieben. Für die Sommerzeit (sprich Blockbusters-Zeit) waren der Konzertfilm KATY PERRY: PART OF ME, MADAGASCAR 3 – FLUCHT DURCH EUROPA und eben G.I. JOE – DIE ABRECHNUNG vorgesehen. Gehen wir die drei mal in Ruhe durch:

KATY PERRY: PART OF ME: Die Katy Perry Konzert-Documentary (in 3D notabene) soll den Erfolg von ähnlich gelagerten Filmen wie HANNAH MONTANA /MILEY CYRUS: BEST OF BOTH WORLDS CONCERT TOUR oder JUSTIN BIEBER: NEVER SAY NEVER (Letzterer ist ebenfalls von Paramount) nachahmen. Doch keiner davon hat weltweit die 100 Mio. Dollar Marke geknackt (die tiefen Produktionskosten muss man natürlich zugute halten). Zudem zweifle ich am bahnbrechenden Erfolg einer Katy Perry Konzertdokumentation. Von Blockbuster also keine Rede.

Wallpaper: MADAGASCAR 3: FLUCHT DURCH EUROPA

MADAGASCAR 3: FLUCHT DURCH EUROPA

MADAGASCAR 3 – FLUCHT DURCH EUROPA: dieser Film hat ganz klar das grösste Potential, waren die beiden Vorgängerfilme doch internationale Kassenschlager (Teil 1 weltweit 532 Mio. Dollar, Teil 2 weltweit 603 Mio. Dollar). Doch auch hier gibt es für Paramount mindestens einen Wehrmutstropfen. Erstens hat MADAGASCAR: ESCAPE 2 AFRICA extrem viel Goodwill bei den Fans verspielt, zweitens muss sich Paramount den Gewinn mit DreamWorks Animation (DWA) teilen und drittens ist MADAGASCAR 3 auch einer der letzten DWA-Filme, der durch Paramount vertrieben wird.

G.I. JOE: RETALIATION: ursprünglich auf Ende Juni geplant, wurde der Film 5 Wochen vor Kinostart urplötzlich auf Ende März 2012 2013 verschoben. Also bleiben Paramount für diesen Sommer lediglich noch die beiden erstgenannten Filme. Als Begründung für dieses Manöver gab das Studio an, den Film auf 3D fit trimmen zu wollen, dies vor allem hinsichtlich der nach wie vor grossen Nachfrage nach 3D-Filmen in Übersee (von den USA aus gesehen).

G.I. JOE: RETALIATION (Dwayne Johnson als Roadblock)

Dwayne Johnson als Roadblock in G.I. JOE: RETALIATION

Wahr ist: in China und Russland werden im Wochentakt neue 3D-Kinos aus dem Boden gestampft. Das Potential alleine in diesen beiden Märkten ist riesig. Wahr ist auch, dass Hollywood seine Filme immer mehr auf internationale Bedürfnisse ausrichtet. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Filme, die sich in den USA als vermeintliche Flops taxiert wurden, spielten ausserhalb Nordamerikas Unsummen ein. THE LEGEND OF ZORRO (2005) spielte beispielsweise in den USA lediglich 46 Mio. Dollar ein. Ausserhalb der USA spielte der Film jedoch satte 95 Mio. Dollar ein. Der vorhin genannte MADAGASCAR: ESCAPE 2 AFRICA (2008) kam in Nordamerika auf beachtliche 180 Mio. Dollar. Nichts im Vergleich zu den 423 Mio. die noch aus den weiteren Märkten dazu kamen.

Nach den Dämpfern mit NOCH TAUSEND WORTE und DER DIKTATOR wurde man in der Paramount-Chefetage noch von zwei Ereignissen beunruhigt, die auf G.I. JOE: RETALIATION abzufärben drohten. Disneys JOHN CARTER und BATTLESHIP spielten in den USA beide je zwischen 60 und 70 Mio. Dollar ein. International kamen beide (in 3D) auf gut 200 Mio. Dollar. Auch MIB 3 ist mittlerweile international merklich besser gestartet als in den USA.

Gemäss Insidern kamen aber noch weitere Faktoren hinzu: der Filmstart war ursprünglich lediglich eine Woche vor THE AMAZING SPIDER-MAN geplant. Das hätte wohl tatsächlich zur Folge gehabt, dass G.I. JOE: RETALIATION ab der 2. Woche von Spidey knallhart in die tiefsten Untiefen versenkt worden wäre. Zudem wäre am selben Starttag wie G.I. JOE: RETALIATION noch ein weiterer Film mit Star Channing Tatum in die Kinos gekommen: der Stripper-Film MAGIC MIKE. Das hätte dem Film bestimmt weibliche Zuschauer gekostet.

Meine Reaktion auf Facebook auf die Ankündigung von Paramount Pictures

Meine Reaktion auf Paramounts Terminverschiebung

Der aber wohl schwerwiegendste Faktor war wohl schlicht und einfach ein unzufriedenes Publikum bei den Testvorführungen (Anmerkung: die jeder Hollywood-Film vor seinem Kinostart durchläuft). Das war übrigens auch das erste was mir durch den Kopf ging, als ich von der überraschenden Terminverschiebung erfuhr.

Ganz besonders schien dem Testpublikum zu missfallen, dass  Channing Tatums Charakter gleich nach den ersten 10 Minuten des Films sterben muss und auch, dass er und Dwayne Johnson vorher im Film fast keine Zeit hatten eine Freundschaft zueinander aufzubauen. Ich hatte mich also zu Recht gefragt, wieso Channing nur auf einem Character Poster zu sehen war und ansonsten auf den Artworks jede Spur von ihm fehlte. Das wiegt umso schwerer, nachdem Channing Tatum in den USA gleich zwei mal nacheinander mit seinen Filmen THE VOW und 21 JUMP STREET finanziell reüssieren konnte.

G.I. JOE: RETALIATION (Channing Tatum & Dwayne "The Rock" Johnson)

Channing Tatum & Dwayne “The Rock” Johnson

Fakt ist, es wird nicht nur in 3D nachkonvertiert sondern das Drehbuch wird umgeschrieben (die Freundschaft zwischen Channing Tatum und Dwayne Johnson wird vertieft und Channings Charakter wird wohl überleben) und die entsprechenden Szenen (inkl. Eye-Popping 3D Zeugs) müssen auch noch nachgedreht werden, was von The Rock himself via Twitter bestätigt wurde.

Paramount behauptet, dass die 3D Konvertierung selbst lediglich etwa 5 Mio. Dollar kosten würde und das Budget unter 130 Mio. bleiben sollte.  Was die Nachdrehs kosten sollen, wird hingegen verschwiegen.  Kommt noch hinzu, dass Paramount bereits Unsummen ins Marketing (man denke nur schon an die Kosten für den Superbowl-Spot) investiert hat – für eine Veröffentlichung in diesem Jahr natürlich. Dank der Verschiebung auf März 2013 wird gleich nochmal so viel Geld in die neue Kampagne investiert werden müssen, um das Publikum zum Kinogang am neuen Starttermin zu begeistern.

Immerhin die Superbowl-Veranstalter werden sich bestimmt über die Terminverschiebung gefreut haben.

Quellen: Deadline / THR / Box Office Mojo