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Posted 15-07-2012 by Martin Kamm in Sidekicks
 
 

Gastbeitrag: Ein Toast auf den Science-Fiction-Film

Ein Toast auf den Science-Fiction-Film
Ein Toast auf den Science-Fiction-Film

1902 erstaunte DIE REISE ZUM MOND von Visionär George Méliès nicht nur mit satten 16 Minuten Laufzeit, sondern war auch der Pionier in Sachen Science-Fiction und sorgte auf der ganzen Welt für Furore. Nach weiteren kleinen Meilensteinen, von der so mancher nicht in Gänze bis heute überdauern konnte, entwickelte sich das Genre immer mehr zum Kompensationswerkzeug menschlicher Ängste, gab dem Fremden ein Gesicht – und wurde somit in vielerlei Hinsicht zum politischen Kommentar. Schließlich produzierte man kleiner, schneller und günstiger. Bekanntagtes wurde bis zur Unkenntlichkeit recycelt und auch die Großen wie 2001 – ODYSSEE IM WELTRAUM und PLANET  DER AFFEN, der ja seinerseits vier Fortsetzungen nach sich zog, wussten die Krise nicht zu beenden. Es kam aber auch die Zeit von Klassikern wie SOYLENT GREEN, LOGAN’S RUN, LAUTLOS IM WELTRAUM und THX 1138. Der Regisseur des letztgenannten Filmes war es dann auch, der die große Wende herbeiführte und das Feld für immer umgrub: KRIEG DER STERNE machte aus Science-Fiction ein Märchen und ließ die Horden um ganze Häuserblocks für sich anstehen.

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STAR WARS Premiere 1977

 
Von hier an änderte sich die öffentliche Wahrnehmung des Genres zwar erheblich, die Studios selbst reagierten aber träge wie eh und je. Die Fernsehserie STAR TREK wurde ins Kino übersetzt, ALIEN setzte neue Akzente und wurde demzufolge zur Tetralogie erweitert. Ausnahmen wie BLADE RUNNER sorgten zwar für frischen Wind, doch setzte man in erster Linie weiterhin auf Bewährtes, bemühte sich, jeden Erfolg in Reihe zu bringen. Mittlerweile ist ja auch die BLADE RUNNER-Fortsetzung bereits am Köcheln. Und so weiter.

Seit ein paar Jährchen schon scheint es im Genre aber wieder mal zu kriseln. Sieht man von Michael Bays Spielzeugrobotern und den sich überschlagenden Comicverfilmungen ab, liegt der letzte große Hit doch eine ganze Weile zurück. IRON SKY enttäuschte, SOURCE CODE geriet ebenso wie TRON: LEGACY trotz der Lorbeeren geschwind in Vergessenheit, JOHN CARTER floppte und fast alles, was erwähnenswert wäre, fristet ein Nischendasein. Doch möchte ich keineswegs einen Abgesang auf Science-Fiction im Film anstimmen. Da geht es anderen Sparten deutlich schlechter. Wie oft zum Beispiel bekommt man heutzutage noch einen klassischen Abenteuerfilm auf der Leinwand präsentiert? Jedes Genre hat Talfahrten zu überstehen, aber kaum eines fällt tatsächlich endgültig dem Zeitgeist zum Opfer. Im Gegenteil, mir steht der Sinn nach einem Plädoyer.

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John Carter gilt trotz weltweitem Einspielergebnis von 280 Mio. Dollar als Flop

 
Häufig werde ich gefragt, was denn so betörend an der Zukunftsmusik sei. Vielen fehlt nach eigener Aussage der Zugang. Aber oft wird Science-Fiction eben auch assoziiert mit sterilem STAR TREK-Einerlei, mit pseudowissenschaftlichem Gesülze, bunten Uniformen oder Effektgeschredder im schwarzen Nichts mit weißen Tupfern. Dabei ist doch kein zweites Genre so offen und voller Möglichkeiten wie dieses. Dadurch, dass keine zeitliche Gebundenheit besteht, sind auch der zu erzählenden Geschichte keinerlei Schranken gesetzt. Lediglich die Fantasie umgrenzt das Feld. Ausgerichtet in eine nicht festgelegte Form der Zukunft, kann sich der Erzähler sämtlicher Fesseln entledigen und in jede nur erdenkliche Richtung ausschweifen, das Geschehen in jeder vorstellbaren Realität abspielen lassen. Man hat keine Verpflichtungen gegenüber Akkuratesse hinsichtlich Geschichte, Politik, Gesellschaft und nicht zuletzt Physik. Vielmehr darf man der Kreativität einen Freibrief in die Hand drücken und sie von der Leine lassen. Dass die Herausforderung, den Anforderungen dieser Beschränkungen gerecht zu werden, einen ganz eigenen Reiz hat, soll hier natürlich nicht in Abrede gestellt werden.

Freilich lässt sich auch dem Schwestergenre Fantasy eine ganz ähnliche Unabhängigkeit attestieren, doch sind die Geschehnisse hier meist auf eine homogene Welt beschränkt und Raumschiffe ein Tabu. Nur allzu oft bezieht sich Fantasy mehr auf eine nie dagewesene Vergangenheit denn auf eine unwahrscheinliche Zukunft und ist damit in gewisser Weise das Gegenteil futuristischer Gedankenspiele. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Natürlich gibt es gute Gründe dafür, dass all die theoretische Freiheit nicht ausgeschöpft wird. Der Zuschauer wünscht sich vertraute Bezugspunkte und Orientierungshilfen – je abgehobener und wirklichkeitsferner die Story, desto krümeliger die Zielgruppe. Die Kunst ist es, das optimale Mittelmaß zu finden. Doch genau hier wird es spekulativ und große Studios wollen es sich bekanntlich nicht leisten, risikoreich zu spielen. Daher werden bewährte Rezepte marginal abgewandelt, miteinander vermischt oder eben mit bunteren Zutaten neu aufbereitet und als längst überfälliges Remake verkauft. Dies ist beileibe kein Phänomen, das sich auf Science-Fiction beschränkt. Aber nirgendwo sonst ist es so schade.

Selbstverständlich ist das Reden über Genres und ihre strikten Grenzen in den meisten Fällen Humbug. Nicht zuletzt beweisen Serien wie FIREFLYund FARSCAPE, wie hervorragend insbesondere gewagte Mixturen funktionieren können. Bezeichnenderweise wurden diese Vertreter aber auch beide abgesetzt. Trotzdem, einen reinrassigen Science-Fiction-Film gibt es natürlich nicht.

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FIREFLY von Joss Whedon im TV trotz Kult ein Flop, ebenso die Kinoversion SERENITY (2005) .

 
In einem Satz: Science-Fiction ist super, weil ihr potenziell die meisten Möglichkeiten offenstehen. Es bleibt nur darum zu bitten, diese auch auszuschöpfen. Sich etwas zu trauen, nicht auf verkrusteten Strukturen zu beharren und tatsächlich einmal den Aufbruch in die unendlichen Weiten zu wagen. Prinzipiell sieht die Zukunft rosig aus: Filmproduktion wird stetig erschwinglicher, glaubwürdige Effekte lassen sich immer einfacher realisieren und das Wagnis, Neuland zu betreten, schrumpft beständig. Es ist die Zeit für Experimente.

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Gastbeitrag von Martin Ramm, Chefredakteur von SciFiFilme.net.

SciFiFilme.net ist der Hort für alles Zukünftige in Film und Fernsehen. SciFi-Serien, SciFi-Filme, SciFi-News haben hier ihren Platz und erfahren ihre wohlverdiente wie kritische Betrachtung. Die prominenten Vertreter wie Star Wars, Star Trek, Stargate und Dr. Who werden hier ebenso Erwähnung finden wie Nischenprodukte und Geheimtipps. Das Alter spielt dabei keinerlei Rolle – dies hier der Platz für aktuelle Blockbuster und Klassiker gleichermaßen, sind sie doch sämtlich in die Zukunft gerichtet.


Martin Kamm

 
Chefredakteur bei scififilme.net, einem reinen Sci-Fi-Themenblog, der wöchentliche Newszusammenfassung bietet und sich prinzipiell allem widmet, was irgendwie mit dem Genre in Berührung steht - unabhängig von Alter und Bekanntheitsgrad der Werke.