Filmjahr 2015 Zwischenbericht – Diese Filme haben dieses Jahr funktioniert

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Das Filmjahr ist noch längst nicht vorbei. Dementsprechend wäre es viel zu früh schon ein Fazit daraus zu schliessen. Was wir aber schon mal tun können, ist eine Zwischenbilanz zu ziehen, um zu sehen wer alles richtig gemacht hat.

Die Frage wer alles richtig gemacht hat lässt sich dieses Jahr mit einem einzigen Wort beschreiben: Universal. Das Hollywood-Studio hat nur schon in den USA mehr als 2 Milliarden Dollar eingenommen. Das in absoluter Rekordzeit und erst noch mit gerade mal 14 Filmen (davon 12 aus dem Jahr 2015). Zum Vergleich: Konkurrent Warner Bros. kommt mit stolzen 24 Filmen (davon 17 aus dem Jahr 2015) gerade mal auf 1.2 Milliarden Dollar.

Weltweit gesehen stellt Universal vier der sechs umsatzstärksten Filme des Jahres (Stand: 26.08.2015). Es scheint fast so als würde dem US-Major dieses Jahr alles gelingen. Nachfolgend 10 Filme, die zwar nicht über alle Zweifel erhaben sind, aber beim Publikum (oder Marketing) alles richtig gemacht haben.

Jurassic World (Universal)

Jurassic World (Film)

Jurassic World ist ein echtes Phänomen. Über 20 Jahre nach dem Release des beliebten Originals und ganze 14 Jahre nach dem Release des weit weniger beliebten 3. Teils der Jurassic Park Franchise, war es alles andere als Gewiss, ob die Wiederbelebung der Dino-Serie gelingen würde. Während ich als grosser Fan der Reihe immer ein grosser Supporter dieses Neustarts war, gilt Jurassic World für mich als eine riesige Enttäuschung. Nicht so für den Rest der Welt. Mit weltweit mehr als 1.6 Mia.(!) Dollar Einspiel, wird dieser Blockbuster dieses Jahr wohl kaum mehr (wenn, dann höchstens noch von Star Wars) vom Box Office Thron zu stossen sein.

Fast & Furious 7 (Universal)

Fast & Furious 7 (Film)

Nach dem tragischen Tod von Paul Walker und der schon vorher stets wachsenden Popularität der Fast & Furious Reihe, galt Teil 7 schon lange vor dem Kinostart als sicherer Hit. Trotzdem verdammt erstaunlich, wie sich diese Franchise mit der Zeit entwickelt hat. Sie begann 2001 als kleine, aber feine Neuinterpretation des Actionklassikers Gefährliche Brandung und geriet zu einem Überraschungshit. Nach dem Ausstieg Vin Diesels vermuteten viele spätestens nach Tokyo Drift (2006) den endgültigen Todesstoss für die Franchise. Doch weit gefehlt. Mit Diesels Rückkehr in Teil 4 (2009), kehrte auf wundersame Weise auch der Erfolg zurück. Mittlerweile haben sich die Protagonisten von der Untergrund-Rennszene mehrheitlich verabschiedet und agieren stattdessen lieber als Topspione – ohne wirklich das fachliche Rüstzeug dafür zu besitzen. Mit jedem Film wurde die Franchise noch bombastischer und jede Mission noch unmöglicher. Aber wer braucht schon Realitätsnähe, wenn stattdessen er einen Flugzeug-Showdown auf einer 45 km lange Rollbahn oder ein Autostunt in luftiger Höhe haben kann?

Avengers: Age of Ultron (Disney)

Avengers 2: Age of Ultron (Film)

Marvel’s The Avengers war nicht nur der mit Abstand grösste Hit des Jahres 2012, sondern er brach verschiedene Einspielrekorde gleich am Laufband. Und während die Hoffnungen in eine grossartige Fortsetzung durchaus berechtigt waren, konnte man mit der selben Berechtigung davon ausgehen, dass der erste Teil finanziell kaum zu toppen sein dürfte. Künstlerisch gesehen waren sich sowohl Kritiker als auch Fans uneins, ob Age of Ultron nun schlechter, gleich gut oder gar besser als sein Vorgänger war. Das spiegelte sich auch am Besucherverhalten. Während in den USA deutlich weniger Publikum verzeichnet wurde, konnte der Film im Rest der Welt gegenüber Teil 1 nochmals einen Zahn zu legen.

Minions (Universal)

Minions (2015)

Sie sind gelb, klein, quasseln lustig daher und sind auch sonst allerliebst: Die Minions. Waren sie in den Ich – Einfach unverbesserlich noch die heimlichen Stars und Szenenklauer, wurde ihnen dieses Jahr endlich ein eigener Film gewidmet. Für Universal Studios zahlte sich dieses Spinoff spürbar aus. Nach Jurassic World und Fast & Furious 7 dürfte dies der dritte Film aus ihrem Hause sein, der die magische 1 Mia. Dollar Marke knacken kann.

Alles steht Kopf – Inside Out (Disney)

Pixar's Inside Out (Alles steht Kopf, Film)

Das erfolgreiche Animationsstudio Pixar wird ja immer wieder mal gerne totgesagt und Alles steht Kopf sah tatsächlich nicht von Beginn weg wie ein Gewinner aus. Doch die liebevolle Umsetzung des Themas Gefühle und Emotionen wurde seit seit der Uraufführung des Films in Cannes von Kritikern und Kinogehern gleichermassen zelebriert. Und das völlig zu Recht. In den USA war Alles steht Kopf sogar noch erfolgreicher als die Minions. Ein Prüfstein, der diesem grossartigen Familienfilm bei uns noch bevorsteht. Der Kinostart ist nämlich erst auf den 1. Oktober angesetzt.

Fifty Shades of Grey (Universal)

Fifty Shades of Grey (2015)

Wenn man sich den Medienhype anschaut, hat Fifty Shades of Grey wie kein anderer Film in diesem von kostenloser Presse profitiert. Das hat sich für die vergleichsweise günstig produzierte schlag-mich/beiss-mich Romanze allemal bezahlt gemacht. Einem Produktionsbudget von 40 Mio. Dollar steht ein weltweites Einspielergebnis von mehr als 550 Mio. Dollar gegenüber. Für diese Summe würde ich mir auch (Achtung mega Spoiler) sechs Hiebe mit dem Reitstock gefallen lassen.

Cinderella (Disney)

Cinderella (2015)

Wer hätte gedacht, dass es Disney gelingt, dieser – entschuldigt diesen an dieser Stelle unpassenden Ausdruck – abgelutschten Story neues Leben einzuhauchen? Da muss ich ganz ehrlich sein, ich nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass es vielen Eltern ähnlich erging wie mir. Mit den Kids ins Kino gehen, mit der Erwartung, die schon hundert mal gesehene Story nochmals abspulen zu lassen, damit die Kleinen – die ja eh keine Ahnung haben und vom motherfucking (noch so ein unpassender Ausdruck, sorry musste an dieser Stelle sein) Caillou bis hin zu den immergleichen Barbiefilmchen alles super finden – ihre Freude haben. Aber Moooment! Regisseur Kenneth Branagh (Jack Ryan: Shadow Recruit, Thor) hat nicht nur mit viel Herz und Humor einen völlig frischen Wind in die altbekannte Cinderella Mär gebracht, sondern auch die Herzen der gelangweilten Mamis und Papis zurückerobert.

Kingsman: The Secret Service (Fox)

Kingsman: The Secret Service (2014)

Hollywood, sprich die USA, dominiert den internationalen Filmmarkt. Umso schöner, wenn es dann eine britische Comic-Verfilmung die Szenerie aufmischt. Kingsman: The Secret Service stammt vom selben kreativen Team wie Kick-Ass. Basierend auf einem Graphic Novel des Autors Mark Millar, hat Regisseur Matthew Vaughn auf meisterhafte Weise deftige Action mit charmantem britischem Humor verbunden. Die Fortsetzung ist bereits in Arbeit, auch wenn noch kein offizieller Starttermin feststeht.

Home – Ein smektakulärer Trip (Fox)

Home (2015)

Bei kaum einem Film wichen die Kritikermeinungen so sehr vom Publikumsstrom ab wie DreamWorks Animations Home – Ein smektakulärer Trip. Während es von den Kritikern mehrheitlich Verrisse hagelte, strömten die Eltern mit ihren Kids nur so in die Kinos. Was meine These, die ich bezüglich Anspruchshaltung der Kinder vertrete (siehe Barbie), nochmals dick unterstreicht. Jetzt kann man sagen, die Kritiker sind doch sowieso alle Miesepeter – sind sie ja auch – aber Home ist nun mal einfach wirklich nichts anderes als liebloser, langweiliger Mist. Habe Zuhause den Selbsttest gemacht und habe während des Films hervorragend geschlafen. Ich rätsle immer noch, wie der Streifen weltweit knappe 400 Mio. Dollar garnieren konnte und in den USA sogar (wenn auch nur sehr knapp) erfolgreicher war als Drachenzähmen leicht gemacht 2.

Mad Max: Fury Road (Warner)

Mad Max 4: Fury Road (2015)

Mad Max: Fury Road startete als Underdog in dieses Kinojahr. Obwohl die ursprüngliche Mad Max Trilogie absoluten Kultstatus geniesst, wusste ein Grossteil der heutigen Jugend bis vor kurzem nichts von dem knallharten Rächer aus dem australischen Outback. Doch Regisseur George Miller hat das mit Fury Road ziemlich schnell geändert und nicht nur einen Achtungserfolg erzielen, sondern schlichtweg einen der besten Blockbuster des Jahres abliefern können. Die Zeit kann gar nicht mehr schnell genug vergehen bis diese Saga fortgesetzt wird.