Man of Steel

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1978 drückt sich Christopher Reeve seine Schmalzlocke zurecht und zieht zum ersten Mal ein übergrosses Pyjama über, bevor er uns als Superman diverse nostalgische Filmmomente beschert. Was aber wirklich hängen blieb, ist der bombastische Titelsong. 2006 stülpt sich dann Brandon Routh die blauen Stützstrümpfe über, klebt sich ein (kleineres als noch 1978) „S“ auf die Brust und müllt uns mit 2 einhalb Stunden Einfachheit zu. Was aber wirklich hängen blieb, ist … ähm, bis auf einen lächerlich inszenierten Lex Luthor (gespielt von Kevin Spacey) – Nichts! 2013 zeigt uns dann Henry Cavill, dass ein gelegentlicher Besuch in der Muckibude nicht schaden kann und präsentiert uns einen erfreulich ernsten und gestählten Superman, der (im Gegensatz zu seinen Vorgängern) nie lächerlich wirkt. Was aber wirklich hängen bleibt, ist … ein verwirrendes Gefühl!

Filmszene: MAN OF STEEL (2013)

Clark Kent (Henry Cavill) in Man of Steel (Bild: Warner Bros.)

Weshalb? Nun, ich hätte es geliebt und hab stark darauf gehofft, dass mich der MAN OF STEEL vor Begeisterung wegbläst, in Wirklichkeit war ich eher irritiert, oder besser gesagt; gleichermassen enttäuscht wie auch begeistert. Vieles fühlt sich sehr richtig an, obwohl es falsch verpackt ist. Als würde Batman in einem Spider-Man Kostüm über Gotham City wachen.

Aber was fühlt sich denn so falsch an? Wir sehen den, langersehnten, perfekt umgesetzten Superman, der auf einem falschen Filmset seine Runden dreht. MAN OF STEEL übermittelt dem Zuschauer das Gefühl eines INDEPENDENCE DAY, bietet die zerstörerische Freude eines TRANSFORMERS und verwöhnt den Zuschauer mit emotionalen Rückblenden eines GLADIATOR.

Filmszene: MAN OF STEEL (2013)

Jor-El (Russell Crowe) auf Kar-Els Heimatplaneten Krypton (Bild: Warner Bros.)

Mir missfällt die Erzählweise, welche durch ständige Rückblenden irritiert. Ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte klassisch aufgebaut ist. So genial und einfühlsam die Rückblenden auch sein mögen, gehen sie in all der Action beinahe etwas unter. Oder besser gesagt, Zack Snyder rattert dem Zuschauer gefühlt eine AK47 (welche mit Höhepunkten geladen ist) erbarmungslos entgegen. So bleibt kaum Raum, die Emotionen zeitgleich zu verarbeiten. Hier wäre weniger, definitiv mehr gewesen.

Weiter stört mich der unnötige Sci-Fi Firlefanz. Es gibt wohl kaum etwas, dass nicht in MAN OF STEEL gepackt wird; Raumschiffe, fliegende Drachen à la AVATAR und TRANSFORMERS -ähnliche Tentakel. Eines muss man Snyder jedoch lassen. Wie man es von Ihm gewohnt ist, sind die Spezialeffekte vorbildlich brachial und qualitativ hochstehend. Bei 3D spalten sich ja bekanntlich die Geister, die Einen lieben es, die Anderen (dieser Sorte gehöre ich an) verzichten noch so gerne auf das störende Gerüst. Bei MAN OF STEEL kann ich jedoch guten Gewissens von der Brille abraten. Durch die nachträgliche 3D Konvertierung bleibt es einem mehrheitlich verwehrt, sich zu fühlen als wäre man selbst im Strampelanzug mitten im Geschehen. Auch hier wäre weniger mehr gewesen. Musikalisch hat Hans Zimmer wieder einmal ordentlich auf den Tasten gewütet und ein weiteres Meisterwerk aus seinem Nähkästchen gezogen. Schade nur, dass die Musik durch die vielen Höhepunkte nicht so zur Geltung kommt.

Filmszene: MAN OF STEEL (2013)

Lois Lane (Amy Adams) wird von Faora-Ul (Antje Traue) genau unter die Lupe genommen (Bild Warner Bros.)

Schauspielerisch bekommen wir genau das geboten, was man von einer Superheldenverfilmung erwarten darf; mal gut, mal weniger. Henry Cavill (als Kal El/Clark Kent) verkörpert den Mann aus Stahl geradezu perfekt. Er verleiht dem Helden das imposante Erscheinen, wie wir es von Superman aus den Comics kennen. Oscar Gewinner Russell Crowe (als leiblicher Vater Jor El) und Kevin Costner (als Ziehvater Jonathan Kent) spielen wie gewohnt stark und souverän. Die beiden Mütter Ayelet Zurer (als Lara) und Diane Lane (als Ziehmutter Martha Kent) stehen ihren Männern in nichts nach und verkörpern ihre Figuren überzeugend herzlich und einfühlsam. Weniger begeistert war ich von Amy Adams (als Lois Lane) klar, Amy agiert stets korrekt, passt mir jedoch rein optisch überhaupt nicht ins Bild. Hier werde ich wohl zu stark von meinem Comic-Herz beeinflusst, welches mir immerzu die Originalfigur vor Augen führt. Michael Shannon (als Bösewicht General Zod) geht mir mit seiner verbissenen Visage und hysterischen Präsenz teils ordentlich auf die Nüsse.

Was mich besonders ärgert, ist der Fakt, dass die eigentliche 5-Sterne Fassung irgendwo im Film existiert. Hätten Sie den Krimskrams weggelassen, die Story klassisch aufgebaut und die Eindrücke wirken lassen, hätten wir hier zweifellos eine tadellose 5 Star Deluxe Superman Fassung.

Filmszene: MAN OF STEEL (2013)

General Zod (Michael Shannon) führt nichts Gutes im Schild (Bild: Warner Bros.)

Obwohl es nach dem Abspann keine zusätzliche Szene (wie wir es von der Konkurenz Marvel gewohnt sind) gibt, wird den „Comic-Nerds“ gegen Ende des Films ein so genanntes „Easter-Egg“ auffallen, welches vermuten lässt, wer im zweiten Teil der Gegenspieler von Superman werden könnte. Wer seine Detektivsinne nicht beanspruchen möchte oder es im Film eventuell verpasst hat, findet gleich im Anschluss die Auflösung.


EASTER EGG / SPOILER: Inmitten des zerstörerischen Endkampfs zwischen Superman und General Zod, werden unter anderem zwei Tanklaster mit der Aufschrift „LexCorp“ in Grund und Boden gestampft. Mit „LexCorp“ kontrolliert der wohl bekannteste Gegenspieler von Superman, Lex Luthor, ganz Metropolis und war stets daran bemüht, unseren Helden aus Stahl dem Erdboden gleich zu machen. Hat uns hier Snyder also bereits einen Spoiler für den zweiten Teil vor die Füsse gelegt?

Filmszene: MAN OF STEEL (2013)

Henry Cavill als Superman (Bild Warner Bros.)