Filth – Drecksau

Ein höllischer Trip

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Er war der frustrierte Büroangestellte, der dank Angelina Jolie zum Profikiller mutierte (Wanted), er ist ein Mutant und Superheld, der regelmässig die Welt rettet (X-Men), aber er ist auch eine echte Drecksau, der jeden und jede in die Pfanne haut. Die Rede ist vom schottischen Schauspieler James McAvoy, der in der breiten Öffentlichkeit trotz einiger Blockbuster auf dem Kerbholz noch nicht zu den ganz grossen Namen zählt. Das dürfte sich aber bald ändern. Denn einerseits ist er schon bald wieder als jüngere Version von Dr. Charles Xavier in X-Men: Zukunft ist Vergangenheit zu sehen und andererseits wird seine Performance in Filth (wörtlich: Schmutz, Abschaum) auch in unseren Breitengraden ziemlichen Staub aufwirbeln.

Korrupt, arrogant, intrigant, brutal, drogen- und sexsüchtig… Polizist

Bruce Robertson (McAvoy) ist ein durch und durch dreckiger Bulle. Korrupt, arrogant, intrigant, brutal, drogen- und sexsüchtig. Ein unmoralischer Mensch. Eine echte Drecksau halt. Aber er ist auch karrieregeil und als jemandem aus seiner Truppe die Möglichkeit zur Beförderung winkt, unternimmt er alles erdenkliche, um seine Kollegen schlecht aussehen zu lassen. Insgeheim erhofft er sich dadurch, seine Frau zurückzuerobern, die ihn samt Tochter verlassen hat. Als ein japanischer Tourist von einer Strassengang ermordet wird und Bruce daraufhin als leitender Ermittler auf den Fall angesetzt wird, scheint seinem Ziel nichts mehr im Weg stehen.

Der in Schottland angesiedelte Film, startet mit typisch britischem Vibe, viel schwarzem Humor und jede Menge Sarkasmus. Dazwischen werden jedoch immer wieder Einblender mit Monologen seiner Frau oder seines Arztes gezeigt. Diese Einblender unterscheiden sich im Ton drastisch und lassen den Zuschauer zuerst Ratlos zurück. Erst allmählich wird einem klar, dass es sich um wirre Phantastereien des Protagonisten handelt. Filth – Drecksau ist keine leichte Kost. Man begleitet Bruce auf seinem höllischen Trip, der James McAvoy schauspielerisch alles abfordert. Was als irre Brit-Komödie anfängt, gestaltet sich im Verlauf des Films nach und nach zum bedrückenden Drama. Immer mehr Puzzleteile aus Bruces Vergangenheit fügen sich zusammen, bis sich ein ganzes Bild daraus ergibt.

Tour de Force mit brillantem James McAvoy

Regisseur Jon S. Baird hätte es sich und seinen Zuschauern einiges leichter machen können und mit Filth – Drecksau eine herrlich dreckig-schwarze Komödie ohne viel Tiefgang abliefern können. Hat er aber nicht. Gegen Ende des Films ist Bruce nicht mehr das intrigante, aber saucoole Superarschloch, für das wir ihn gehalten haben. Er ist ein Mann mit echten Gefühlen, schwerer Kindheit und noch schwereren Problemen. Und so werden wir einem Wechselbad der Gefühle unterzogen, dass einige Fragen offen lässt.

Filth – Drecksau ist manchmal schwer verdaulich und alles andere als Mainstream-Kost, doch wer sich darauf einlässt, kriegt von James McAvoy die Performance seines (bisherigen) Lebens serviert. Schon alleine das ist den Eintritt wert.