The Expendables 2

by

In Zeiten, in denen Hollywood mit CGI-vollgepumpten Mega-Blockbustern nach dem immer gleichen Schema vorgeht und dabei möglichst keine Risiken eingehen will, hat der schlaue Sylvester Stallone eine Marktlücke entdeckt und diese mit seinen Expendables gekonnt gefüllt.

Das Publikum mag Bombast-Filme wie Michael Bay sie macht wohl lieben, doch sehnt es sich genau so sehr nach den guten alten (und vorallem simplen) Actionkrachern aus den 80ern, bei denen das Explodieren eines Hauses noch zu den absoluten Highlights gehörte.

THE EXPENDABLES 2 brilliert dann auch weniger (viel, viel, … sehr viel weniger) durch seine Special-Effects als durch seine Huldigung an die gute alte Zeit. Bei Stallone-Filmen verhält es sich ähnlich wie bei Michael Bay Filmen. Man benutzt einen komplett anderen Massstab als bei anderen Filmen. In Stallone-Filme bringt man immer automatisch gewisse Erwartungshaltungen mit, die es zu erfüllen gilt. Man will simplen einfachen Boom, Boom, Boom mit coolen Einzeilern, die von möglichst ikonischen Altstars aufgesagt werden. Heute gibt es das praktisch nicht mehr. Der Einzige aus der A-Liga (sorry Jason Statham) der Hollywoodstars, der den Filmen aus den Achtzigern und frühen Neunzigern noch Ehre zu erweisen mag, ist Dwayne Johnson mit Filmen wie WELCOME TO THE JUNGLE oder WALKING TALL. Also muss Sly nochmal ran und überlässt dabei sogar ehemaligen Box-Office-Rivalen wie Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger etwas Screentime und Fame.

Filmszene. THE EXENDABLES 2 (Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone und Bruce Willis)

Aber keine Bange: Stallone ist und bleibt der Star des Films. Obwohl weitere (alt-)bekannte Gesichter, wie jene von Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Chuck Norris  und Jean-Claude Van Damme zu sehen sind, ist es niemandem erlaubt dem Chef die Show zu stehlen. Aber eins nach dem anderen. Zuerst mal die Story.

Die Expendables sind Söldner, die durch lukrative, aber immer hochgefährliche Jobs, ihren Lebensunterhalt bestreiten. Während einige der Expendables urplötzlich verschwinden (Mickey Rourke als Tool) und andere neu dazustossen (Liam Hemsworth als Frischling Billy The Kid), gibt es gleich noch mehrere offene Rechnungen, die es noch zu begleichen gibt. So begeben sich die Expendables – angeheuert von Mr. Church (Bruce Willis) – auf eine Mission irgendwo in Albanien. Ein Spaziergang, wie es zuerst scheint. Doch es kommt, wie es kommen musst. Der Plan läuft schief und einer von ihnen wird brutal ermordet. Also sinnen die Expendables auf Rache. Doch der Mörder ihres Mitstreiters hat noch viel mehr auf dem Kerbholz, er will an sechs Pfund Plutonium herankommen, um das Kräfteverhältnis in der Welt zu ändern.

Eigentlich hätte ich statt der Story auch ganz einfach bla, bla, bla hinschreiben können, denn die Story tut absolut nichts zur Sache. Es ist Gut gegen Böse …und das Böse muss am Ende bezahlen, für all das Böse das es getan hat. Dieses Böse wird von Jean-Claude van Damme verkörpert, den ich zum ersten mal seit KARATE TIGER (hab zwar seit DOUBLE TEAM mit Dennis Rodman alle seine Filme verpasst) in der Rolle des Bösewichts sehe. Wie es sich anfühlt Van Damme wieder im Kino zu sehen? Zuerst merkwürdig. Eindeutig gealtert und mit viel zu viel Solariumbräune scheint er eher einer Karikatur seiner selbst. Doch daran gewöhnt man sich schnell und man geniesst seinen Auftritt genau so sehr, wie er seine Rolle als wacky Bösewicht zu geniessen scheint. Der zweite langerwartete Auftritt im Film, nämlich der von Chuck Norris ist viel enttäuschender. Seine Auftritte verkommen zum reinen Slapstick. Wie bei allen Charakteren versucht man es auch bei ihm mit möglichst viel Selbstironie, doch bei Norris mit seiner feinen Stimme, klappt es am aller wenigsten. Ihm nimmt man den einsamen Söldner (mit irgendwie zu gross geratenen Kleidern) so ganz und gar nicht ab. Ein weiterer Funke, der nicht so recht zünden will, ist derjenige von Arnold Schwarzenegger. Er ist noch sichtlicher gealtert als Stallone und das Drehbuch bestraft ihn mit lauter peinlichen One-Linern à la „I’m Back“ oder „Yippie ki-yay“ (in dieser Szene tauschen Willis und Schwarzenegger ihre legendären Einzeiler aus). Lustig ist anders.

THE EXPENDABLES 2 (Chuck Norris)

Bei Jason Statham ist das ganz anders. Entweder hat er bessere Connections zum Drehbuchautor oder Sly hat ihm einfach mehr gegönnt als Kumpel Arnie. Seine Jokes sitzen fasst immer und sorgen für mächtig Stimmung. Bruce Willis‘ Auftritt ist ganz okay. Er setzt sein altbekanntes „ich kneif jetzt mal ein bisschen meine Augen zusammen und lächle verschmitzt“ Gesicht auf, macht ein paar lockere Sprüche dazu und gut ist. Während Terry Crews und Dolph Lundgren ebenfalls ein paar coole Szenen gegönnt sind, bleiben die beiden Neuzugänge Liam Hemsworth und Nan Yu ziemlich blass. Vorallem bei Hemsworths Charakter hätte man mehr rausholen können.

Stallone-Filme richten sich an ein ganz bestimmtes Publikum. Wer ausschliesslich feine Kinokunst mag, kriegt diese Zeilen gar nie zu Gesicht. Wer einen Film sehen will, der sein Geld anstatt in teure Special-Effects, in mit Adrenalin, Steroiden und Botox vollgepumpte Action-Ikonen aus den Achtzigern steckt, der ist bei THE EXPENDABLES 2 genau an der richtigen Adresse. Die One-Liner kommen am laufenden Band, viele davon sind sogar gelungen. Die Darsteller sind gut gelaunt und sorgen ebenfalls für gute Laune. Die Bösewichte sind so richtig böse.

THE EXPENDABLES 2 (2012)