Ted Review

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Wir schreiben die Achtzigerjahre. TED beginnt als herzige Weihnachtsgeschichte, die in warmen Bildern vom einsamen Jungen John, der sich nach einem Freund zum Reden und Spielen sehnt. Als er an einem Weihnachtsabend von seinen Eltern einen süssen Teddybären geschenkt kriegt, der mit einem einfachen Voicechip ausgerüstet ist, wünscht sich John innig, dass der Bär doch tatsächlich mit ihm sprechen könne. Als sein Traum tatsächlich in Erfüllung geht und der süsse Bär am nächsten Morgen zum Leben erwacht, schwören sich die beiden ewige Freundschaft.

Filmszene: TED (2012)

Jahre später, John (Mark Wahlberg) ist mittlerweile ein Erwachsener. Trotz Hang zum Rumhängen und Kiffen und absolut miesen Karriereaussichten, liebt ihn seine hübsche Freundin Lori (Mila Kunis) abgöttisch. Doch etwas, oder besser gesagt jemand, stört die traute Zweisamkeit: Ted. Er scheint auch der Grund dafür, dass John sich wie ein ewiger Teenager benimmt und nicht wirklich Erwachsen werden mag. Denn auch Ted ist nicht einfach mehr ein kleiner süsser Stoffbär, sondern ist ebenfalls älter geworden und teilt Johns Interesse fürs Rumhängen, 80er-Jahre Serien gucken (Stichwort: Flash Gordon), Saufen, Pot rauchen, Schmutzig daherreden und für Frauen. Also nimmt sich John vor, Ted nach all den gemeinsamen Jahren – und trotz Treuheitsschwur – vor die Tür zu setzen. Doch das ist leichter gesagt als getan.

TED hätte ein perfekter Familienfilm werden können. Mit einer tollen Botschaft über lebenslange Freundschaft und Loyalität. Doch FAMIlLY GUY Macher Set MacFarlane ist erstens nicht der Typ für seichte Unterhaltung und zweitens gibt es diesen Film schon für Kinder. Er nennt sich TOY STORY. Im dritten Abenteuer werden die Spielzeuge von „ihrem Kind“ Andy ebenfalls verlassen und müssen ohne ihn zurecht kommen. Auch Ted ist schon bald auf sich allein gestellt und muss ein heruntergekommenes Appartment neben verrückten Nachbarn beziehen und sich gegen seinen Willen einen Job im Supermarkt angeln. Gut gibt es dabei viel Abwechslung in Form von schönen Frauen, Pot und wilden Parties. Immer wieder bringt der „bärwerse“ Ted seinen Freund John dadurch in Schwierigkeiten, so dass dessen Beziehung zu Lori in ernsthafte Bedrängnis gerät. Doch auch Ted selber schwebt schon bald in Gefahr, als ihm ein unheimlicher Stalker und sein noch unheimlicherer Sohn auflauern.

Filmszene: TED (2012)

TED ist gespickt mit politisch höchst ungekorrektem Humor. Es gibt 9/11-Jokes, Furz-Jokes, rassistische Jokes, religiöse Jokes, Gay-Jokes und sehr viele Witzen über Sex und über Ted wie er Sex mit Frauen hat. Solche Filme gehen sehr oft daneben. Seth MacFarlane-sei-Dank ist das bei TED aber überhaupt nicht der Fall. Die Chemie zwischen Mila Kunis und Mark Wahlberg stimmt genauso, wie zwischen Mark Wahlberg und dem CGI-anmierten und von MacFarlane himself gesprochenen Ted. Überhaupt: der unglaublich echt wirkende Ted ist der absolut Star des Films und heimst die meisten Lacher ein. Nur Giovanni Ribisi stiehlt ihm mit seinen Kurzauftritten zeitweise die Show.

Der Film ist auch eine Liebeserklärung an die 80er-Jahre. Immer wieder werden Popkultur-Referenzen an Filme wie Star Wars, E.T. oder Serien wie Knight Rider und Flash Gordon gestreut. Ebenfalls gut gelungen sind Szenen, die scheinbar überhaupt nicht in den derb-lustigen Film passen: romantische, actionreiche, rührselig-dramatische, psychopathische und dann immer wieder herzige, bei denen man denkt, man sei mitten in KEVIN ALLEIN HAUS. Manche Szenen wirken gar unfreiwillig Komisch, wie etwa als Mark Wahlberg in einer Szene ob seines Teddies tiefe Trauer zeigt und an seine legendäre Szene aus THE HAPPENING erinnert, in der er sich bei einem Gummibaum für seine begangenen Umweltsünden entschuldigt. In solchen Momenten weiss man nie genau, ob MacFarlane sich dabei im Hintergrund einen Schranz in den Bauch lacht.

Filmszene: TED (2012)

Diese Kombination macht TED erfrischend anders. Etwas vergleichbares hat man auf der Leinwand schon seit langem nicht mehr gesehen und das tut gut. Paradoxerweise ist das einzige, was man dem Film vorwerfen kann, die manchmal laue Gagdichte. Die vielen Tempowechsel sind zwar einerseits erfrischend, andererseits erlahmt die Story dadurch zeitweise. Das ist aber jammern auf sehr hohem Niveau, denn der Film macht so richtig Laune und sorgt für ein Kinoerlebnis der besonderen Art.