Dredd

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Nach den prestigeträchtigen Marvel- und DC Comics Verfilmungen wie THE AVENGERS, THE AMAZING SPIDER-MAN oder THE DARK KNIGHT RISES gesellt sich ein Aussenseiter zu dieser illustren Runde: DREDD von 2000 AD. Noch düsterer, noch härter als alle andern, lässt er Sylvester Stallones JUDGE DREDD Debakel von 1995 komplett vergessen und erinnert viel eher an einige der John Carpenter Klassiker. 

Im postapokalyptischen Mega City One leben 800 Millionen Menschen in den Ruinen der alten Welt. Darin wird das Gesetz von Judges vollstreckt. Gewappnet mit schweren Helmen und noch schwereren Geschützen, sind sie Richter, Jury und Henker. Sie sind kaltblütig, gnadenlos und effizient und  Dredd (Karl Urban) ist der Beste unter ihnen. Ihm wird die neue Rekrutin Cassandra Anderson (Olivia Thirlby) aufgebrummt, die über keinerlei Kampfeinsatz-Erfahrung, dafür über ausserordentliche psychische Fähigkeiten verfügt. Als Dredd mit seiner Rekrutin auf Streife geht, um ihr Können zu testen, geraten die beiden an die  eiskalte Drogenbaronin Ma-Ma (Lena Headey), die ohne jeglichen Skrupel über Peach Trees Tower, den grössten Slum der Stadt herrscht und sich mit der neusten In-Droge „Slo-Mo“ ein Imperium aufbauen will. Als Dredd und Anderson einen Handlanger aus ihrem skrupellosen Clan zu fassen kriegen, entfacht Ma-Ma einen erbitterten Krieg, in dem sie vor nichts zurückschreckt, um ihr Imperium zu schützen. Die Zahl der Todesopfer steigt und auch Dredd und Anderson müssen – eingeschlossen im  Peach Trees Tower – in diesem erbarmungslosen Kampf an ihr Äusserstes gehen, um am Leben zu bleiben.

Filmszene: DREDD 3D (2012)

Dredd (Bild: Rialto Filmverleih)

Sobald Dredd und Rekrutin Anderson im Mega-Gebäude eingeschlossen sind, beginnt eine beispiellose Jagd auf die beiden Judges, in der sie sich mit roher Gewalt von Stockwerk zu Stockwerk, von Korridor zu Korridor kämpfen. Mal Abgesehen von ein paar Leuchten und Neon-Lampen herrscht vollkommene Dunkelheit im Tower. Jeder Brandherd dient als zusätzliche willkommene Lichtquelle. Die engen Räume und das feucht-dreckige Betonkonstrukt des Gebäudes verleihen dem Film zusätzlich eine gewisse klaustrophobische Atmosphäre. Dank dieser dunklen, schmutzigen und von Synthesizer-Sound unterlegten Bildern, fühlt man sich direkt in einen John Carpenter Klassiker wie ASSAULT ON PRECINCT 13 (1976) oder ESCAPE FROM NEW YORK – DIE KLAPPERSCHLANGE (1981) zurück versetzt.

Unterlegt werden diese Szenen immer wieder mit Super-Zeitlupenaufnahmen. Diese verdanken wir der Filmdroge Slo-mo. Dank ihr läuft die Zeit für den Konsumenten bei 1% der tatsächlichen Geschwindigkeit. Regisseur Pete Travis hat in Verbindung mit den 3D-Effekten ganz besonders bei diesen Aufnahmen einen beeindruckenden Job geleistet. Überhaupt ist der Film visuell eine Wucht. DREDD handelt von Tod und Vergeltung. Ein Held in glänzender Rüstung existiert hier nicht. Dank der ausufernden Gewaltszenen und dem vielen (CGI-)Blut werden insbesondere die Fans voll auf ihre Kosten kommen. DREDD ist dementsprechend auch ein Dankeschön, eine Wiedergutmachung an die Comic-Community. Doch ausserhalb dieser Gemeinde wird der ab 18 Jahren freigegebene Film wohl unverdientermassen keine grosse Anhängerschaft finden.

Filmszene: DREDD 3D (2012)

Dredd (Bild: Rialto Filmverleih)

Karl Urban, bekannt als Eomer aus der DER HERR DER RINGE Trilogie und als Bones (Pille) aus der neuen STAR TREK Franchise von J.J. Abrams hat als Judge Dredd keine leichte Aufgabe. Schliesslich, so will es die Comic-Vorlage und so wollen es auch die Fans, darf er seinen Helm nie abziehen. So sieht man ihn lediglich rennen, ballern und einige kernige Sprüche aufsagen. Man ist sich dadurch nie sicher, ob nicht vielleicht doch der Stallone unter dem Helm steckt. Olivia Thirby hingegen ist (als einziger Judge ohne Helm zu sehen) die eigentliche Überraschung des Films und darf trotz bisheriger Auftritte in Filmen wie JUNO (2007) oder THE DARKEST HOUR (2011) getrost als Neuentdeckung bezeichnet werden. Ihrer Charakterzeichnung wurde auch am meisten Zuwendung geschenkt. Dies lässt sich bei der Rolle von Lena Headey (300) als Drogenbaronin Ma-Ma leider nicht behaupten. Zwar wirkt sie um einiges glaubhafter als noch kurz vor ihr Salma Hayek einer ähnlichen Rolle in SAVAGES, doch man hat es verpasst ihrer Figur Tiefe zu verleihen. Stattdessen muss sich Heady in DREDD mit einem furchteinflössenden Aussehen begnügen. Ihre Führungsrolle wird im Film mit ihrer Brutalität begründet, doch im Peach Trees Tower scheinen alle aus diesem Holz geschnitzt zu sein und so fragt man sich, ob sich Ma-Ma in der echten Welt tatsächlich hätte durchsetzen können.

DREDD 3D ist voller spektakulärer Explosionen, roher Gewalt und eindrücklicher Special Effects, gespickt mit Elementen von Selbstironie und trockenem Humor. Letztlich darf sich die neue Judge Dredd Verfilmung auf die exklusive Liste der Remakes setzen, die besser sind als ihre Vorgänger.

Filmszene: DREDD 3D (2012)

Dredd (Bild: Rialto Filmverleih)