Die Tribute von Panem – The Hunger Games

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Ich mag postapokalyptische Survival-Filme wie etwa The Running Man, Death Race, Surviving the Game oder The Condemned total. Alle genannten Filme haben im Grund das selbe Motiv. Eine reiche Gesellschaft unterhält sich auf Kosten einer armen. In Surviving the Game machen Millionäre in einer Menschensafari Jagd auf einen entführten Obdachlosen, in The Running Man, Death Race und in The Condemned kämpfen jeweils Sträflinge als eine Art Gladiatoren um ihr Leben, während die Welt amüsiert zuschaut.

Die Tribute von Panem – The Hunger Games geht einen ähnlichen Weg. In einem postapokalyptischen Nordamerika hat eine totalitäre Gesellschaft den Staat Panem gegründet. Panem ist in 12 Distrikte unterteilt. Regiert wird alles zentralistisch aus der Hauptstadt, simpel Kapitol gennant. Um dem unterdrückten Volk gleichzeitig sowohl seine Härte als auch seine Güte zu demonstrieren, finden alljährlich sogennante Hungerspiele statt. Dabei müssen 24 Jugendliche, je ein Mädchen und ein Junge aus den zwölf Distrikten, in den rituellen Opfer-Spielen antreten. Dabei kann jedoch nur einer von ihnen überleben. Diese Jugendlichen werden jeweils durch das Los bestimmt. Je älter man ist, desto mehr Lose mit seinem Namen befinden sich im Topf. Als die Junge Prim – trotz nur einem einzigen Los im Topf – für die Spiele gezogen wird, meldet sich ihre ältere Schwester Katniss (Jennifer Lawrence) freiwillig und nimmt ihren Platz ein. Doch ausgerechnet Peeta (Josh Hutcherson), mit dem Katniss seit ihrer Kindheit vertraut ist, wird als männlicher Kandidat ihres Distrikts bestimmt. Kurz bevor das tödliche Turnier beginnt, gesteht Peeta Katniss völlig überraschend seine Liebe. Berechnung oder verzweifelte Wahrheit? Während die neue Situation für Katniss alles auf den Kopf stellt, beginnen sich auch ihre Gefühle für Peeta zu verändern. Denn bis anhin glaubte Katniss, zu ihrem Jugendfreund, dem einzelgängerischen Gale (Liam Hemsworth) zu gehören.

Die Tribute von Panem - The Hunger Games

Die Story vermag einem von Anfang an in ihren Bann zu ziehen und die Leidensgeschichte der aufopfernden Katniss – bravourös gespielt von Jennifer Lawrence – ist zu jeder Zeit glaubhaft und nachvollziehbar. Sowieso: der Cast ist superbe und spielt dementsprechend leidenschaftlich auf. Allen voran, der meisterliche Stanley Tucci. Sein Filmcharakter, der eitle, überdrehte und doch jederzeit berechnende Spiele-Moderator Caesar Flickerman ist brilliant und mit einer der Hightlights des Films. Doch auch Woody Harrelson macht seine Sache wie immer gut. Sein Charakter, der ehemalige Hungerspiele-Champion und jetzige Mentor der Distrikt 12 Kandidaten, Haymitch, macht im Verlauf des Films eine Wandlung vom Saulus zum Paulus durch. Diese Wandlung geschieht für den Zuschauer jedoch nicht wirklich nachvollziehbar. Das gilt auch für viele andere Handlungsstränge. Alles wird lediglich ein bisschen angedeutet. Für mehr bleibt keine Zeit. Schade drum!
Denn während Katniss’ Charakter und ihre Beziehung zu Ihrer Schwester ziemlich gut beschrieben wird, kann man dies von Panems Vorgeschichte oder anderen Charakteren im Film nicht gerade behaupten. Ebenfalls verwirrend, der Stilmix aus 30er Jahre Design-Elementen (an was uns das bloss erinnern soll?) und hochentwickelter Technologie. Als besonders sträflich empfand ich den Verlauf der Nebenhandlung rund um wie Liam Hemsworths (der Bruder von Thor-Darsteller Chris Hemsworth) Charakter Gale, der praktisch untergeht im Film. Das gilt im weitesten Sinne auch für uns Zuschauer. Wer die Bücher nicht gelesen hat, ist ziemlich verloren in der Welt Panems.

Doch keine Bange. Der Film wird dadurch nicht schlecht und die Aussicht auf die bereits beschlossenen Fortsetzungen macht Hoffnung auf weitere Erklärungen und Antworten auf noch offene Fragen. Und sowieso: der Film überzeugt dafür auf so vielen anderen Ebenen. Da ist das bereits erwähnte Schauspielerensemble, bei dem die Chemie untereinander absolut stimmig ist. Da ist dieser famose Soundtrack, den man nach dem Kinobesuch sofort besitzen will. Da ist dieses feine Gespür von Regisseur Gary Ross (Pleasantville, Seabiscuit) für Timing. Bilder, Score und Toneffekte bilden dabei ein besonderes Hör- und Sehvergnügen. Zudem weiss der Film auch zu überraschen. Die Brutalität im Film beispielsweise ist nie explizit und doch intensiv. Selten sieht man in einem Mainstream Hollywood-Film, dass Kinder getötet werden. Auch die Lovestory erfährt – ohne schon zu viel verraten zu wollen – einen raffinierten Twist. An anderen Stellen ist die Geschichte hingegen oftmals sehr vorhersehbar. Zum Beispiel wenn im Hungerspiel Allianzen unter den Kandidaten geformt werden, im Wissen, dass letztendlich nur ein einziger überleben darf. Katniss gerät dabei nie ernsthaft in einen Gewissenskonflikt, da die “Guten” immer von den “Bösen” gemeuchelt werden. Die “Lieben” müssen nie durch ihre Hand sterben.

Wie so oft in mehrteiligen Filmen ist auch das Ende in Die Tribute von Panem – The Hunger Games ziemlich abrupt. Das Gute daran, man wünscht sich mehr von diesem good Stuff! Das hätte ich vor dem Film noch nicht unterschrieben. Als ich mir die Trailer und die Poster ansah, war ich immer ziemlich skeptisch. Doch Regisseur Gary Ross konnte mich dank fesselnder Erzählung, grossen Emotionen, cooler Optik, genialem Score und tollen Schauspielern absolut positiv überraschen. Und ich liebe positive Überraschungen.