Der Lieferheld – Unverhofft kommt oft

Delivery Man

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533 Kinder, ein und derselbe Vater

David Wozniak, gespielt von Vince Vaughn, ist ein 42-jähriger, nicht sehr engagierter Chauffeur in der Metzgerei seines Vaters. Ein Versager, dem alles im Leben misslingt. So auch der Versuch, seine Schulden mit einer kleinen Hanfplantage zu begleichen. Während seine Freundin Emma (Cobie Smulders) gerade schwanger geworden ist und stark an seinen Qualitäten als Vater zweifelt, erfährt Wozniak von einem Fremden Anwalt, dass er durch ein Versehen, der Erzeuger von 533 Kindern ist. In jungen Jahren hatte er einer Samenbank unter dem Pseudonym „Starbuck“, mehrfach Spermien gespendet und dabei gutes Geld verdient. Nun haben 142 der durch ihn entstandenen Kinder eine Sammelklage eingereicht, weil sie die Identität des Spenders erfahren wollen. Sein bester Freund Brett (Chris Pratt), ein erfolgloser Anwalt, übernimmt den Fall und soll dafür sorgen, dass die Identität von David Wozniak, alias Starbuck, nie ans Tageslicht kommt. Während der Prozess seinen Lauf nimmt, beginnt sich Wozniak mit den Personen hinter der Klage zu beschäftigen und entwickelt dabei immer mehr Gefühle gekoppelt mit moralischen Grundfragen des Lebens.

Remake des französisch-kanadischen Hits Starbuck

Der Lieferheld – Unverhofft kommt oft (Delivery Man) wurde von dem kanadischen Regisseur Ken Scott, welcher auch bei dem, nicht-Hollywood Vorgänger, Starbuck (2011) Regie geführt hat. Im Gegensatz zu Der Lieferheld war Starbuck eine absolut beliebte, amüsante, französisch-kanadische Komödie mit Kult-Faktor. Leider gelang es dem Regisseur, trotz Hilfe von Steven Spielberg als Produzenten, nicht, seinen Erfolg fortzuführen.

Vince Vaughn spielt seine Hauptrolle zwar befriedigend wie immer, doch habe ich stets das Gefühl, eine von zig anderen Komödien mit ihm zu sehen. Er spielt zwar solide, doch haben wir ihn schon so oft in der selben Rolle mit der selben Mimik erlebt, dass wir an der Glaubwürdigkeit der zu übermittelnden Gefühle zweifeln. Keine besondere Leistung, keine besonderen Merkmale des Charakters. Man hat das Gefühl, die Figur sei ihm keine Herausforderung gewesen, weshalb er sich keine Mühe gegeben hat. Hinzu kommt, dass der Charakter des David Wozniak zu wenig durchdacht ist. Zwar spielt er einen Versager, doch ist er durchwegs gutherzig und bemüht, seiner Umwelt zu entsprechen. Dass er dabei noch kriminell sein soll, nimmt man ihm ebenso wenig ab.

Vaughn ist okay, Nebendarsteller überzeugen

Seine Freundin, Cobie Smulders, sieht entzückend aus und spielt ihre Rolle überzeugend. Doch vermag auch ihr Charakter nicht, dem Film Tiefe zu verleihen. Sie kommt und geht und weint und droht ein bisschen. Chris Pratts Figur ist durchwegs durchdacht und wohl das einzig ironisch-witzige in dem Film, der den Titel als Komödie nicht verdient hat. Er liefert uns die raren zwei, drei witzigen Aussagen. Seine negative und kalte Art wirkt authentisch und zeigt uns auf, wie das Leben in einer unglücklichen Ehe mit vier Kindern aussehen kann.

Unbedingt erwähnen möchte ich an dieser Stelle den herausragenden Schauspieler Andrzej Blumenfeld, in der Rolle des Vaters von „Starbuck“. Der bis anhin eher unbekannte polnische Schauspieler blieb mir mit seiner authentischen und gefühlvollen Leistung in wundersamer Erinnerung. Ich werde mein Augenmerk ab jetzt stärker auf ihn richten.

Das Cast, welches die vielen jungen erwachsenen Kinder verkörpert, ist gut ausgewählt und in seiner Diversität interessant. Als David Wozniak, alias „Starbuck“ die Kinder zu beschatten beginnt und sich langsam in ihr Leben schleicht, ist man doch ein wenig gespannt darauf, wie er nun all diese von Ihm entstandenen Kinder in sein Leben integrieren will.

Unangenehme Stille statt Lacher

Die Story ist logisch aufgebaut, weckt teilweise Interesse und hätte durchaus das Potenzial gehabt, lustig umgesetzt zu werden. Leider sind die Sprüche nicht annähernd unterhaltsam, lachen muss man schon gar nicht. Viel mehr kommen einem die Dialoge einfach und neutral vor. Dass mein Humor nicht subjektiv und alleine dasteht bewies auch das Publikum im Kinosaal: Niemand musste laut lachen. Eine unangenehme Stille lag den ganzen Film hindurch in der Luft und sie entstand weder durch Spannung, noch durch Erstaunen oder Rührung. Vielmehr wurde wahrscheinlich darüber nachgedacht, wann man denn endlich essen oder seine Blase entleeren könnte. Vor allem gegen Ende des Films schweift man wegen der Seichtheit immer wieder ab und denkt an Alltägliches, wie Besorgungen, die man heute noch machen sollte.

Alles in allem ist der Film trotz Oberflächlichkeit ganz in Ordnung und plätschert wohlwollend vor sich hin, weshalb man ihm nicht böse sein kann. Doch bedauere ich, dass man aus der guten und originellen Story keine wirklich lustige und unterhaltsame Komödie gemacht hat. Falls man sonntags nichts Anderes vor hat und sich sonst kein Film im Kino anbietet, kann man ihn durchaus ansehen. Doch sollte man sichergehen, dass man, vor allem wegen des witzigen Trailers, nicht zu viel erwartet. Und vor allem: genug zu essen dabei hat, denn zwischendurch wird’s zu unbedeutend.