DEAD MAN DOWN Filmkritik

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Der Auftragskiller Victor (Colin Farell), ist die rechte Hand des New Yorker Untergrund Bosses Alphonse (Terrence Howard), der seit einiger Zeit von einem Unbekannten mit mysteriösen Drohbriefen terrorisiert wird. Als nach und nach Männer aus Alphones Bande getötet werden, macht sich Gangmitglied und bester Freund von Victor, Darcy (Dominik Cooper) auf die Suche nach dem Täter. Victor Sinnt auf Rache am Mord an seiner Frau und Tochter und gerät dabei immer mehr unter Druck, nicht zuletzt weil ihn die, nach einem Unfall entstellte, Französin Beatrice (Noomi Rapace) aus der Wohnung gegenüber erpresst, um auch ihren Racheakt zu verwirklichen. Victor versucht das Dilemma von allen Seiten zu lösen und dabei seinen gut durchdachten Plan zu verwirklichen.

Filmszene: DEAD MAN DOWN (2013)

Zu Beginn des Filmes ist man fasziniert. Victor und sein bester Freund Darcy sitzen im Wagen. Darcy hält zärtlich ein Kind auf dem Arm und führt einen rührenden Monolog, den er beendet mit: „Selbst ein beschädigtes Herz kann geheilt werden, selbst ein beschädigtes.“ Die düstere Umgebung, lässt uns vermuten, dass es sich um einen harten, neo-noir, aber doch tiefgründigen Action Thriller handelt. Diese Erwartung bestätigt sich um sogleich, als die kriminelle Sippschaft eine actionreiche und gut inszenierte Schiesserei anzettelt. Man ist zunächst erstaunt und irritiert über die Rolle von Terrence Howard (Alphonse), der statt eines überzogenen, traditionellen Clan-Chefs, ein aalglattes, geschniegeltes, weltgewandtes und fast schon sanftes Oberhaupt interpretiert. Die von den Konventionen abweichende Idee dieses Bosses ist interessant, doch zu oberflächlich und kurz gestaltet, um erkennen zu können, dass so eine Person innerlich sehr kaltblütig, kompromisslos und berechnend sein müsste, um an die Spitze einer kriminellen Organisation zu gelangen.

Der Film läuft zunächst in zwei parallelen Strängen ab, die sich erst gegen Schluss synchronisieren: Einerseits ist da die Sippschaft von Alphonse, welche den Rätseln um die mysteriösen Drohbriefe nachgeht, sich mit anderen Clans unterredet und Victor (Colin Farrell), der eine Art Mc Gyver spielt. Der Ungare ist nämlich ein Ingenieur und ehemaliger Elite-Soldat, der vor einigen Jahren mit seiner Tochter und Frau in die vereinigten Staaten zog, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Bei einem Angriff einer albanischen Bande auf sein Wohnhaus, wird seine Tochter getötet, später auch seine Frau. Mit endloser Geduld, und teils unerträglich langwierigen Szenen, die ruhig und keinerlei Action beinhalten, heckt er Pläne aus, platziert Bomben, foltert einen Gefangenen im Warenhauskeller und tauscht sich mit seinem Freund Darcy (Dominik Cooper) aus, sodass man als Zuschauer am liebsten seine Emails checken möchte, um wenigstens etwas sinnvolles zu tun. Dass er sich dazu zuerst zwei Jahre lang in die Organisation schleust, unschuldige Menschen umbringt, Drohbriefe verschickt und eine Bande von kriminellen Albanern in klischeehaften, schwarzen Lederjacken (Albaner scheinen momentan gern gesehene Bösewichte zu sein) gegen Alphonse aufhetzt, scheint wenig nachvollziehbar. Da sind klare, schnelle und unmittelbare Racheakte besser zu verstehen und sowieso besser geeignet für einen Action Thriller. Auch wird sein unermessliches Leiden bloss durch seine innere Ruhe und Wortkargheit symbolisiert. Er scheint sensibel und zerbrechlich, doch bemerkt man sein Leiden erst, als er in einem Moment der Erinnerung, weint. Fairer Weise muss man sagen, dass man dennoch dem Schluss entgegenfiebert und auf eine riesige Explosion hofft, die letztendlich alles Böse auslöschen wird.

Filmszene: DEAD MAN DOWN (2013)

Die düsteren Settings reissen einen keineswegs vom Hocker, so spielt sich vieles in Gangster-typischen Umgebungen ab: modrige Lagerhäuser, dunkle Räume, miefige Keller, das luxuriös-glänzende Büro vom Oberboss, sowie ein Restaurant. Einzig eine Szene, auf dem erhöhten Friedhof mit der Skyline von New York City mit Sonnenuntergang im Hintergrund, raubt einem, mit ihrer romantisch-düsteren Erscheinung förmlich den Atem und ist wahrhaftig einzigartig. Ansonsten ist die Kulisse unspektakulär und altbacken. Dunkelheit und Grautöne sind eben kein Garant für Originalität. Der Streifen wird von klassischer Musik begleitet und suggeriert Suspense-Momente, ist aber ziemlich einfallslos und unterstreicht das düstere Klima leider überhaupt nicht, wie es ein moderner Soundtrack gekonnt hätte.

Auf der anderen Seite ist das emotionale Kernstück und Herz von Dead Man Down: die sich anbahnende zwischenmenschliche Beziehung zwischen Victor und der Französin Beatrice (Noomi Rapace). Am Anfang  steht ein Rendezvous zwischen Beatrice, der seit einem Unfall entstellten und leidenden Kosmetikerin, einem Mann, von dem man zu diesem Zeitpunkt glaubt, er sei ein herzloser Killer, weil er in den ersten fünfzehn Minuten des Filmes kein Wort sagt und nur, wie ein von Autoscheinwerfern erfasstes, verschrecktes Reh, mit aufgerissenen Augen und einem starren Blick in der Gegend herumguckt, sodass keine andere Interpretation möglich ist. Das erste Treffen nimmt einen ganz anderen Verlauf, als man erwarten würde und zieht einen in seinen Bann. Leider scheitert es an der weiteren Entwicklung der Charaktere und ihrer eigenartigen Liebesbeziehung zu einander. Beatrice hat ein nur wenig entstelltes Gesicht, doch sieht sie sich immer und immer wieder im Spiegel an, weint und klagt immerzu darüber. Die Kinder im Hof nennen sie Monster, dasselbe haben sie auch an ihre Haustüre geschrieben. Sie ist wunderschön und noch am Leben, man nimmt der Figur nicht ab, dass Sie so trostlos geworden ist, durch ein paar Kratzer im Gesicht, und sich nun am Unfallverursacher durch seinen Mord rächen will. Auch wenn man ihr vorsätzlich den originellen Beruf Kosmetikerin verpasst hat, um Ausdruck zu verleihen, wie wichtig ihr die Schönheit ist. Die berechnenden Züge ihrer Figur sind allerdings interessant und lassen auf mehr hoffen, wobei sich die Stärke und Gewieftheit von Beatrice nicht weiter ausbaut. Obwohl die Actrice fantastisch spielt und mit Ihren Worten, Mimik und Gestik haargenau richtig liegt, sodass man sie nur loben möchte, wird sie in ihrer Leistung durch enorme Oberflächlichkeiten des Drehbuchs gehemmt, was sehr bedauerlich ist.

Filmszene: DEAD MAN DOWN (2013)

Beatrice und Victor sind durch die Dunkelheit in ihrer Seele und die Schicksalsschläge ihrer Vergangenheit miteinander verbunden. Beide befinden sich in einem Zustand, in dem das Leben trostlos und sinnlos ist. Nur durch einen Racheakt, so glauben sie, könne man die Dinge wieder richten. Leider kommt die Thematik der „Rache“ nicht wirklich zum Zug. Man versteht partout nicht, wieso Beatrice ein so besessener Freak ist, der einen Menschen umbringen will, obwohl sie nur ein paar Narben im Gesicht davongetragen hat. In Victor und seinen tieftraurigen Schicksalsschlag kann man sich eher hineinversetzen, wobei sein ewiges Planen und rationales Vorgehen über eine solch lange Zeit immer weniger verständlich wird.

Gegen Ende des Films werden immer mehr Witze eingebracht, die als lächerlich empfunden werden. Mafia-Bosse werden plötzlich als Idioten dargestellt und lächerlich gemacht. Der Zuschauer ist irritiert, da er sich bis anhin mit einem ernsthaften Film befasst hat, und kann nur mit einem Auslachen mithalten. Die Anzahl der vermeintlich „lustigen Momente“ häuft sich bis zum Finale der Komödie: Plötzlich hat Victor seine Wut auf Gott und die Welt wiedergefunden und metzelt alle, bedingungslos nieder.  Ein Rambo-Schluss par exellence, der die vermisste Action aufholen will und dem Rest des Filmes mit seinem abrubten abgang nicht gerecht wird.

Filmszene: DEAD MAN DOWN (2013)

Regisseur, Nils Arden Oplev, ist bekannt für seinen gelobten und an den Kinokassen erfolgreichen Film VERBLENDUNG. Man erkennt deutlich, wie er versucht hat, mit gleichen Mitteln, an diesen Erfolg anzuknüpfen. Seine Leidenschaft für traurige Gestalten und verletzte Seelen, die eine zweite Chance bekommen, kommt jedoch in diesem Ensemble nicht zum Zug, da das Drehbuch verschachtelt ist und zu viel auf einmal will. Wie bei einer Fernsehserie wird versucht viele Schicksale und Geschichten auf einmal zu erzählen, wobei die Tiefgründigkeit, der begrenzten Zeit halber, verloren geht und so keine Emotionen hervorruft. Auch ist das Genre nicht klar definiert, wobei eine irritierende Mixtur entsteht, die uns an der Glaubhaftigkeit zweifeln lässt. Nichtsdestotrotz ist DEAD MAN DOWN meist spannend, fliessend und schafft es, teils sogar zu überraschen. Ein nicht belastender, Sonntag-Abend Streifen.