Captain Phillips

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Als ich den Trailer zu Captain Phillips zum ersten Mal gesehen habe, konnte er mich nicht so recht begeistern. Ich habe zwar durchaus mit einer herausragenden Leistung von Tom Hanks gerechnet, aber das auch der Rest des Films mich derart überzeugen würde, damit habe ich nicht gerechnet.

Brillanter Tom Hanks gerät auf hoher See in Bedrängnis

Der Film basiert auf dem Buch „A Captain’s Duty / Höllentage auf See“ des „echten“ Captain Phillips. Richard Phillips (Tom Hanks) sticht als Kapitän mit dem US-Containerschiff Maersk Alabama in See. Als sie in die Nähe der somalischen Küste kommen, wird das Schiff von somalischen Piraten geentert. Diese wollen für das Schiff uns seine Crew Lösegeld erpressen. Doch die Schiffscrew lenkt nicht so einfach ein und so beginnt ein gefährliches Duell mit den Piraten. Seinen Höhepunkt findet dieses im direkten Konflikt zwischen Muse (Barkhad Abdi), dem Anführer der Piraten, und Captain Phillips.

Tom Hanks spielt seine Rolle hervorragend und erhält hier auch mehr als genug Material sein Talent unter Beweis zu stellen. Captain Phillips gerät von einer Position, in der er alles unter Kontrolle hat, in eine, in der er in die Enge getrieben wird, bis er am Schluss, eingesperrt auf engstem Raum mit den Piraten, auf jede einzelne seiner Bewegungen achten muss.

Authentische Erzählung ohne Schwarz-Weiss-Malerei

Das wirklich grossartige am Film ist aber, dass Regisseur Paul Greengrass, trotz des klaren Fokus auf den Captain, auch die Nebenfiguren nie vergisst. Im Gegensatz zu anderen Filmen mit deutlichen Fokus auf eine herausfordernde Schauspielrolle, wie etwa Flight (2012), wirken die Nebencharaktere nie schablonenhaft oder nur der Story geschuldet. Sie alle wirken genau so realistisch und notwendig wie der Captain.

Besonders sticht dabei die Darstellung der somalischen Piraten hervor. Diese werden weder als das gesichtslose Böse dargestellt, noch übermassig romantisiert. Viele Hintergrunderläuterung werden zwar etwas gar knapp abgehandelt, aber der Film zeigt die Ängste und Beweggründe der Piraten, ohne ihre Taten schön zu reden. Barrkhad Abdi als Anführer der Piraten vollbringt dabei eine schauspielerische Hochleistung, die der von Hanks in nichts nachsteht. Neben der sehr wahrscheinlichen Oscar-Nominierung von Hanks, würde Abdi definitiv auch eine für seine Nebenrolle verdienen.

Dazu gelingt es Regisseur Greengrass, einen spannenden Thriller zu inszenieren. Neben dem gemütlichen Anfang, gibt es während des Films nur wenige Stellen die eine Verschnaufpause erlauben.

Das Einzige, was Captain Phillips nicht mitbringt, ist eine aussergewöhnliche Art der Inszenierung, aber das braucht er auch nicht unbedingt. Regisseur Greengrass fokussiert sich stattdessen ganz auf die Geschichte und erzählt sie auf eine sehr authentisch wirkende Weise. Die Spannung wird nicht durch Effekte, sondern durch das direkte Miterleben des Geschehens erzeugt. Und mehrheitlich funktioniert dies auch ausgezeichnet. Das 75% des Filmes tatsächlich auf See gedreht wurden, hat sicher auch zur realistischen Wirkung des Filmes beigetragen.