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Posted 22-09-2012 by Cem Topçu in Filmkritik
 
 

#ZFF 2012 – Filmkritik zu MANIAC

Review Cover: MANIAC (2013)
Review Cover: MANIAC (2013)

Im Grunde ist MANIAC eine Studie über die Auswirkungen traumatisierender Ereignisse auf Kinder. Doch gegen aussen ist es ein äusserst brutaler Slasher-Film im Low-Budget-Format.

Als kleiner Junge wurde Frank immer wieder Zeuge, wie seine Mutter – eine Prostituierte – tabulosen Sex mit teils mehreren Freiern gleichzeitig hatte. Jahre später, Frank (Elijah Wood) ist jetzt erwachsen und seine Mutter ist inzwischen verstorben. Über all das Gesehene ist er nie hinweggekommen. Im Gegenteil: der Verlust seiner Mutter hat sein Trauma gar noch massiv verstärkt und eine akute Schizophrenie in ihm hervorgerufen. Die Geborgenheit, die Frank so sehr fehlt, holt er sich nun auf andere Weise. Wenn Frank von seinen Kopfschmerzen heimgesucht wird, lauert er jungen Frauen auf, die ihn durch ihr Äusseres oder durch ihr Verhalten an seine Mutter erinnern. Er ermordet die Frauen und nimmt deren Skalps zu sich nach Hause, um sie seinen Schaufensterpuppen aufzusetzen. Er redet mit den Puppen und nimmt sie sogar zu sich ins Bett. Den für seine andere Persönlichkeit sind die Puppen völlig real. Erst als er wieder aufwacht erkennt er jeweils die Realität. Doch der Gewaltspirale kann er dennoch kein Ende setzen. Sein innerer Zwang mehr Frauen zu töten ist zu stark. Erst als er die hübsche Fotografin Anna kennenlernt, scheint er in ihr endlich eine Seelenverwandte gefunden zu haben. Doch seine Kopfschmerzen wollen einfach nicht verschwinden.

maniac filmszene elijah wood 620x435 #ZFF 2012 – Filmkritik zu MANIAC

MANIAC ist starker Tobak und die Bilder wirken oftmals in hohem Masse verstörend. Der ganze Film wurde aus der Ego-Perspektive gedreht und so sieht man Frank praktisch nur in Szenen, in denen er in den Spiegel schaut. Diese sind dann in der Regel aber umso verstörender. Ansonsten hört man ihn ausschliesslich. Wie seine Atmung vor einem Mord vor lauter Erregung und Aufregung immer kürzer und tiefer wird, wie er wirres Zeug mit den Puppen (den imaginären Frauen) redet und – im krassen Kontrast dazu – wie er in der Lage ist, sich in seinem “wachen” Zustand auf witzig-charmante Art zu mit Menschen unterhalten. Egal was Frank gerade tut oder in welchem Zustand er sich gerade befindet, der Zuschauer ist immer hautnah mit dabei. Auch wenn er in Traumsequenzen an seine Mutter und seine bewegte Kindheit zurückdenkt. Dadurch gewinnt Frank bei uns automatisch an Sympathie und Mitleid, trotz all der unfassbar grausigen Taten die er begeht.

maniac filmszene 620x435 #ZFF 2012 – Filmkritik zu MANIAC

Bei diesen Morden ging der französische Regisseur Franck Khalfoun keine Kompromisse ein. Der Film zeigt explizit und gleich mehrere Male wie die Frauen von Frank skalpiert werden. Trotzdem: MANIAC will sich nicht einfach in die übliche Slasher-Ecke zu FREITAG DER 13., SAW oder THE HILLS HAVE EYES drängen lassen. Er erscheint einem eher wie der geisteskranke Bruder von DRIVE. Optik und Elektro-Sound könnten stellenweise direkt dem Überraschungshit von Nicolas Winding Refn entnommen worden sein und auch Frank ist wie der Driver kein Mann der grossen Worte. In seinen psychologisch düsteren Momenten erinnert MANIAC dann eher wieder an den anderen grossen Überraschungshit der letzen Jahre: BLACK SWAN.

> MANIAC Red Band Trailer (öffnet in neuem Fenster)

Egal ob lupenreiner Slasher oder eben doch eher Psychogramm eines Serienkillers: MANIAC ist ein äusserst unbequemer Film, der den Zuschauer mit Gewalt aus seiner Comfort Zone herauszuzerren und ihn gleichzeitig in seinen Sessel zu drücken vermag.


Cem Topçu

 
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