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Posted 22-09-2012 by Cem Topçu in Filmkritik
 
 

#ZFF 2012 – Filmkritik zu END OF WATCH



Als ich mir damals den ersten Trailer ansah, dachte ich mir, dass END OF WATCH ein Found Footage Film im Thriller-Genre sei und fragte mich, ob jetzt wirklich auch noch sein müsse. Die Antwort lautet: die Wahl des Stilmittels war richtig und …es ist gar kein Found Footage Film.

Der Streifenpolizist Brian Taylor (Jake Gyllenhaal) geht nie ohne eine oder gleich mehrere Cams zur Arbeit. Er ist ein Streifenpolizist in South Central Los Angeles, einer der kriminellsten Gegenden der USA. Nebenbei besucht er einen Vorbereitungskurs für sein geplantes Jurastudium. Und da Brian Filmemachen als Nebenfach gewählt hat, ist die Kamera jetzt sein ständiger Begleiter. So weit, so Found Footage. Doch Found Footage heisst übersetzt “gefundenes Filmmaterial” und soviel sei schon einmal verraten. END OF WATCH ist keine Rückblende aus seinem zusammengeschnittenen Filmmaterial. Vielmehr werden seine Aufnahmen mit denjenigen von allen möglichen weiteren Quellen wie TV-Ausschnitte, Überwachungskameras oder ganz gewöhnlichen Sequenzen, die unmöglich als Found Footage eingestuft werden können. So folgt die Kamera beispielsweise in einer Sexszene den beiden Liebenden und wechselt dabei auch permanent die Einstellung. Da hätte Filmcharakter Brian extra jemanden engagieren müssen, der diesen Job erledigt.

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Wenn es kein Found Footage Film ist, wieso entschied sich dann Regisseur David Ayer (STREET KINGS, HARSH TIMES) überhaupt für dieses Stilmittel? Meine Antwort: dadurch, dass er den Eindruck erweckt, die Heimkamera sei ständig an und mit dabei, entwickelt sich eine ganz besondere Intimität, die vor allem im Zusammenspiel zwischen den beiden Hauptdarstellern Jake Gyllenhaal und Michael Peña voll zur Entfaltung kommt.

Die Beziehung zwischen den beiden Streifenpolizisten ist es dann auch, was letztlich den Reiz des Films ausmacht. Brian und sein Partner Mike Zavala (Michael Peña) geht nicht nur zusammen auf Streife, sondern sie sind gleichzeitig auch beste Freunde. Die Kamera läuft, wenn eine der beiden gerade telefoniert oder sie im Fahrzeug über Gott und die Welt plaudern, anderen Streiche auf dem Polizeidezernat spielen oder im Einsatz in einen Kugelhagel geraten. Dabei erlebt man die beiden eins ums andere mal als tapfere Helden des Polizeialltags. Manchmal kommt einem das ganze wie eine Kinoversion des US-Reality-Formats “Cops” vor.

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Doch genau dieser Mix aus den enorm witzigen Szenen, bei denen die perfekte Chemie zwischen Gyllenhaal und Peña voll zur Geltung kommt und den äusserst brutalen und teils erschütternden Sequenzen machen den grossen Reiz des Films aus. Gut tun dem Film auch die Einblicke in das Privatleben der beiden Cops, bei der auch die Figur der Janet (Anna Kendrick) vorgestellt wird. Leider verliert sich dann dieser Handlungsstrang wieder etwas. Dabei schafft es Kendrick nach 50/50 einmal mehr, mit viel Charm das Publikum für sich zu gewinnen, so dass man ihr etwas mehr Leinwandpräsenz gegönnt hätte.

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Dank packender Inszenierung, intensiven Bildern, wummernden Beats und gross aufspielenden Darstellern durchlebt man in END OF WATCH mitunter eine Achterbahn der Gefühle, die den Film von ähnlichen Cop-Filmen wohltuend abhebt und ihn zum besten Vertreter dieses Genres seit dem legendären COLORS – FARBEN DER GEWALT macht.

Bewertung: 4,5

Cem Topçu

 
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