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Posted 03-12-2012 by Cem Topçu in Filmkritik
 
 

Filmkritik zu THE CAMPAIGN – DIE QUAL DER WAHL

Slider: THE CAMPAIGN (2012)
Slider: THE CAMPAIGN (2012)

Anstand, Fairness und Würde, sind Dinge, die im politischen Wahlkampf absolut Tabu sind. Besonders in den USA greift man oft und gerne tief in die Mottenkiste und versucht mit schmutzigen Enthüllungen den politischen Gegner blosszustellen. Will Ferrell und Zach Galifianakis spielen in THE CAMPAIGN – DIE QUAL DER WAHL zwei Senatskandidaten, die sich im Wahlkampf für nichts zu Schade sind.

Aufgrund der Trailer, die uns die Marketingkampagne servierte, fragte ich mich, ob THE CAMPAIGN – DIE QUAL DER WAHL lediglich ein handzahmes Politiksatirchen mit ein paar Comedy-Einlagen unter der Gürtellinie sei oder ob vielleicht doch mehr dahinterstecken würde. Die Antwort ist. Es ist von allem etwas mit dabei.

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Der sexsüchtige Cam Brady (Will Ferrell) hat bereits vier Legislaturen hinter sich und sieht die fünfte schon sicher folgen. Doch der verärgert seine Geldgeber im Hintergrund mit immer neuen Skandalen. Als Cam versehentlich eine Nachricht mit eindeutig sexuellem Inhalt auf dem Anrufbeantworter einer christlich-fundamentalen Familie hinterlässt, wenden sich Cams Geldgeber von ihm ab und suchen nach einer neuen Marionette, die ihre Interessen in Washington vertreten soll. Ihr geheimer Plan: nach seiner Wahl, soll der geschmierte Politiker Billigstarbeitsplätze nach chinesischem Vorbild durchwinken. Fündig werden sie bei ihrer Suche beim tölpelhaften Familienvater Marty Huggins (Zach Galifianakis). Doch so leicht gibt sich der ausgebuffte Politprofi Cam Brady nicht geschlagen. Und so treten die beiden Senatskandidaten einen Konkurrenskampf als Anwärter auf den Posten an und scheuen nicht davor zurück, sich dabei ihre Hände schmutzig zu machen.

> DIE QUAL DER WAHL Trailer (wird in neuem Fenster geöffnet)

Hollywood verbeisst sich bei Politfilmen gerne bei den Republikanern. Der Grund dafür liegt wohl einfach darin, dass die Republikaner oftmals die viel konservativeren Werte vertreten und sich deren politischen Vertreter in der Realität immer wieder als verlogene Heuchler outen müssen. Doch THE CAMPAIGN – DIE QUAL DER WAHL begeht nicht den Fehler sich vor den Karren der Demokraten spannen zu lassen, sondern klagt die unsauberen Wahlkampfpraktiken auf beiden Parteien gleichermassen an. Gleichzeitig macht sich der Film gekonnt über die bekannten Klischees lustig. Cam Brady, der Demokrat, ist ein schamloser Womanizer à la Bill Clinton, während der republikanische Marty Huggins seinen Kontrahenten aufgrund eines harmlosen Aufsatzes aus der zweiten Klasse als glühenden Kommunisten darstellt. Solche Momente sind es, die der Politkomödie den nötigen Biss verleihen. Doch auch den Freunden des weniger anspruchvollen Humors, zu denen ich mich immer wieder gerne dazu zähle, wird viel geboten. Wenn Cam Brady ein Baby schlägt anstatt es zu küssen oder das Geständnis von Marty Huggins Sohn, er habe sich im Streichelzoo die Eier von einer Ziege lecken lassen sind nur zwei von vielen Beispielen.

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Obwohl das europäische Publikum nicht viel mit US-Wahlkampf am Hut hat und auch den derben R-Rated Comedy von Will Ferrell in der Vergangenheit nur selten goutiert hat, ist THE CAMPAIGN – DIE QUAL DER WAHL absolut sehenswert. Besonders die beiden Hauptdarsteller machen den Film zu einem ganz besonderen Vergnügen. Will Ferrell lässt als notgeiler Spitzenpolitiker kein Fettnäpfchen aus und kriegt mit dem aus HANGOVER zum Kultkomiker avancierten Zach Galifianakis einen idealen Gegenspieler. Galifianakis, der es gewohnt ist, abgedrehte Charaktere zu spielen, darf seiner Karriere mit seiner Leistung in diesem Film ein weiteres Sahnehäubchen aufsetzen. Doch auch die Nebendarsteller wurden von Regisseur Jay Roach (AUSTIN POWERS) perfekt besetzt und stehlen den beiden Stars immer wieder mal die Show. Einzig Dan Aykroyd und John Lithgow als miese, fiese Strippenzieher im Hintergrund wirken zu sehr wie ein müder Abklatsch von Randolph und Mortimer Duke aus DIE GLÜCKSRITTER.

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Nachdem der Film über weite Strecken ein hohes Tempo an den Tag legt, geht ihm in der letzten Viertelstunde etwas der Schnauf aus. Das Happy End will dann auch nicht mehr so recht zum restlichen, respektlosen Filmverlauf passen. Seis drum. DIE QUAL DER WAHL ist eine gnadenlos witzige Abrechnung mit dem verlogenen Alltag des politischen Wahlkampfes in den USA, der vor allem von seinem grossartigen Cast lebt. Diese Politkomödie ist um einiges bissiger als erwartet und punktet nicht nicht nur durch seine Tiefschläge.


Cem Topçu

 
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