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Posted 08-07-2012 by Cem Topçu in Filmkritik
 
 

Filmkritik zu BATMAN BEGINS

Review Cover: BATMAN BEGINS (2005)
Review Cover: BATMAN BEGINS (2005)

Wie verfilmt man Comics so, dass man die Fans der Hefte dazu bringt, sich den Film im Kino anzusehen und die Kinogänger zu Fans der Charaktere werden lässt?

Ende der Siebzigerjahre hiess die Antwort darauf SUPERMAN (1978) von Richard Donner. Der Film verliess sich damals revolutionäre visuelle Effekte, den vormals unbekannten Schauspieler Christopher Reeve und eine grosse Portion Humor. Abgelöst als Superhero-Movie Nr. 1 wurde er erst von Tim Burtons BATMAN (1989), der seinerseits auf grosse Stars wie Jack Nicholson und Kim Basinger, einen grossartigen Score, Burtons typisch opulente Ausstattung und ebenfalls viel Humor setzte. Dieser Film galt lange als das Mass aller Dinge in Sachen Comic-Verfilmungen. Sein Nachfolger BATMAN RETURNS (1992) benutzte die selbe Formel wie sein Vorgänger, wurde dabei jedoch etwas düsterer. Danach übergab Tim Burton die Franchise in die Hände von Joel Schumacher, der sie mit BATMAN FOREVER (1995) und BATMAN & ROBIN (1997) dank quietschbunten Bildern, Fehlbesetzungen am Laufband  und einem dunklen Ritter mit Latexnippeln der Lächerlichkeit preisgab. Joel Schumachers vormals blühende Film-Karriere wurde dadurch genauso in den Sand gesetzt, wie diejenige von Batman.

Acht Jahre mussten vergehen ehe sich mit Christopher Nolan wieder ein Regisseur an die totgeglaubte Franchise wagte. Bei BATMAN BEGINS geht es um nicht weniger als um den guten Ruf Batmans. Dabei geht der Film komplett neue Wege und orientiert sich viel mehr an in der Realität verankerten Actionthrillern als an den üblichen Comic-Verfilmungen. Christopher Nolan gelingt es, einen völlig neuen Batman zu erfinden, obwohl so viele Elemente daraus noch so sind, wie wir sie aus Comics oder den bisherigen Filmen kennen.

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Bruce Wayne (Christian Bale) muss als kleiner Junge die Ermordung seiner Eltern mit ansehen. Von Schuldgefühlen geplagt, wächst er zu einem unglücklichen jungen Mann heran, aufgezogen von seinem Butler Alfred Pennyworth (Michael Caine). Er zieht sich zurück und verbringt eine längere Zeit in Ostasien, wo er als Häftling den geheimnisvollen Ducard (Liam Neeson) kennenlernt. Ducard spricht für einen von Verbrechern gefürchteten Mann namens Ra’s al Ghul. Nach seiner Entlassung sucht er Ra’s al Ghul (Ken Watanabe) in seinem Bergpalast auf. Dort trifft er erneut auf Ducard, von dem er sich fortan einer Ausbildung zum Ninja unterziehen lässt. Doch die Gesellschaft der Schatten, wie sich diese Ninja-Gemeinschaft nennt, kennt kein Erbarmen und tötet ohne je auf einen Richterspruch zu warten. Wayne kann sich mit dieser Ideologie nicht abfinden und zerstört bei seiner Flucht den Bergpalast. Dabei stirbt Ra’s al Ghul, doch Bruce schafft es noch mit letzter Kraft, dem bewusstlosen Ducard das Leben zu retten.

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Er kehrt zurück nach Gotham City, um als Batman gegen die überbordende Kriminalität und Korruption zu kämpfen. Er nimmt den Kampf gegen den Mafia-Boss Carmine Falcone (Tom Wilkinson) und den dubiosen Psychiater Dr. Jonathan Crane (Cillian Murphy) auf und findet dabei heraus, dass Dr. Crane ebenfalls ein Doppelleben als Scarecrow führt und ein Halluzinogen entwickelt hat, das die grössten Ängste eines Menschen um ein vielfaches verstärkt. Dieses Halluzinogen soll als Gas in ganz Gotham verteilt werden und die Stadt auf diese Weise zerstören.

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Wenn Tim Burtons Version der Beatles unter den Batman ist, dann ist Christopher Nolans BATMAN BEGINS  Rolling Stones. Nichts weichgespültes und schöngefärbtes. Kein schwarz oder weiss. Ohne seinen treuen Butler Alfred und ohne seine Jugendfreundin Rachel, eine aufrechte Staatsanwältin, die ihm zwischendurch mal die Kappe waschen und ihm ins Gewissen reden müssen, wäre Batman auch nur ein Racheengel, der nicht zwischen richtig und falsch oder gut und böse zu unterscheiden wüsste. Christian Bale bringt diese innere Zerissenheit perfekt rüber und verleiht dem Flattermann dadurch stets seine Glaubwürdigkeit. Diese Glaubwürdigkeit ist das A und O des neuen Batmans. Wäre nicht alles so stark in der Realität verwurzelt, würde man dem Film seine Comic-Elemente nie ernsthaft abnehmen. Spider-Man beispielsweise ist ein ganz normaler Teenager, der dank Spinnenbiss offenbar auch zum Meisterschneider mutiert und plötzlich Beziehungen zu den exklusivsten Textilfabrikanten der Welt pflegt oder aber er bezieht seine perfekt geschnittenen Anzüge bei Edna „E“ Mode (aus Pixars DIE UNGLAUBLICHEN), wie sich das für einen Superhelden gehört. Bei Batman ist das anders. Bruce Wayne ist ein Miliardär, mit einem riesen Konzern – Wayne Enterprises – im Rücken. Dessen Rüstungsabteilung baut Waffen, Soldatenuniformen und natürlich auch Tumbler (was dem Batmobil entspricht). Ohne Kampfausbildung, seinen Milliarden und ohne Mastermind Lucius Fox (Morgan Freeman) wäre Batman nur ein Typ mit Schienbeinschonern und ‘ner Knarre.

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Ähnlich verhält es sich mit BATMAN BEGINS selbst. Ohne seine Realitätsbezogenheit und ohne diesen unglaublichen Cast, der zwar ohne ganz ganz grossen Namen auskommt, aber mit Charakterdarstellern der ersten Garde zu beeindrucken vermag. Nebst Christian Bale glänzen auch noch Morgan Freeman, Liam Neeson, die Altstars Rutger Hauer und Michael Caine, Tom Wilkinson, Cillian Murphy und Gary Oldman mit beeindruckenden Darsteller-Leistungen. Einzig Katie Holmes vermag da nicht ganz mitzuhalten und bietet lediglich eine durchschnittliche Darbietung. Tom Wilkinson ist zwar als Gangsterboss Carmine Falcone überzeugend, jedoch nimmt man ihm zu keiner Sekunde ab, dass er ein italienischer Mafiaboss sein soll (dann schon viel eher ein irischstämmiger). Alles nur Peanuts im Vergleich zu dem was dem Zuschauer alles geboten wird.

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Dieser Batman hat es geschafft, sich den ihm gebührenden Respekt wieder zurück zu holen und hat eine neue Gattung von Superhero-Film geschaffen. Am Ende des Films erfährt Batman übrigens von Sgt. Gordon (Gary Oldman), dass kürzlich ein brutaler Bankräuber aufgetaucht sei, der bei seinen Opfern eine Joker-Spielkarte zurücklässt. Was für ein Cliffhanger zur Fortsetzung THE DARK KNIGHT!

BATMAN BEGINS ist nicht nur eine der besten Comic-Verfilmungen aller Zeiten, er gehört ganz allgemein zu den besten Filmen des modernen Kinos.


Cem Topçu

 
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