Snowden Interview mit Shailene Woodley: „Mein Smartphone gehört dem Filmstudio“

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Blogbusters hat sich mit Snowden Star Shailene Woodley im Rahmen des Zurich Film Festivals zum Interview getroffen und mit der cleveren Schauspielerin über die Schweiz, ihren Umgang mit Smartphones, die Zukunft der Divergent-Reihe und Star Wars gesprochen.

Shailene Woodley ist am besten Bekannt für Ihre Rolle in der Verfilmung der Jugendbuchreihe „Die Bestimmung – Divergent“, von denen der letzte fürs Kino geplante Teil auf der Kippe steht und stattdessen direkt ins Fernsehen kommen soll. In Oliver Stones Snowden spielt sie jedoch Lindsay Mills, die real existierende Freundin von Edward Snowden. Letzterer hatte vor drei Jahren die illegalen Überwachungstechniken der NSA an die Öffentlichkeit durchsickern lassen, indem er als Whistleblower tausende von klassifizierten Dokumenten an die Presse weiterleitete.


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Das Interview findet im Zürcher Nobelhotel Baur au Lac direkt am schönen Zürichsee statt, wo vor ihr in der Vergangenheit schon andere Filmstars wie Brigitte Bardot, Hugh Jackman oder Daniel Craig abgestiegen sind. Es ist auch das Hotel, in dem vergangenes Jahr ranghohe FIFA-Funktionäre verhaftet und anschliessend an die USA ausgeliefert wurden.

“Schweizer sind ruhig und friedlich”

Die Pressebetreuerin führt mich in ein kleines Sitzungszimmer, in dem ich auf Shailene warten soll, und zieht die Vorhänge ein wenig auf, um zu sehen, wie die Aussicht von dem Zimmer aus ist. Leider kein Seeblick, stattdessen nur schmucklose Mauern. Trotzdem, als Shailene den Raum betritt, sind ihre ersten Worte: “Was für ein schönes Zimmer!”. Ich selbst bin zwar nicht ganz so begeistert, aber vielleicht versucht sie so auch einfach nur das Eis zu brechen. Dieses Spiel können wir selbstverständlich auch spielen…

Blogbusters: Wie gefällt Ihnen Zürich soweit?

Shailene Woodley: Ich hatte gestern Gelegenheit, etwas die Stadt zu erkunden. Zürich ist so schön! Und die Menschen sind hier so viel höflicher als in den Vereinigten Staaten. Bei uns sind sie echte Barbaren: “Links! Rechts! Hier drüben!” (Shailene imitiert die typischen Rufe der Fotografen am roten Teppich). Ihr hingegen seid sehr ruhig und friedlich.

Im Film sagt ihr Charakter Lindsay Mills, sie habe nichts zu verbergen und es sei ihr egal wenn sie überwacht würde. Stimmen Sie ihr diesbezüglich zu oder sehen sie es so wie Edward Snowden, der im Film darauf antwortet, dass dies ein dämliches Argument (“a bullshit argument”) sei?

Ich stimme Edward Snowden zu. Er sagt immer: “Zu sagen, es sei einem egal, dass man keine Privatsphäre habe, weil man nichts zu verbergen hat, sei als würde man sagen, das Recht auf freie Meinungsäusserung sei einem egal, weil man nichts zu sagen habe.”

“Liebe macht keinen Sinn”

Der Film beinhaltet auch eine schöne Liebesgeschichte und man sagt, dass es die Liebe zerstört, wenn Geheimnisse voreinander hat. So gesehen wäre diese Beziehung von Anfang an zum scheitern verurteilt gewesen, aber hat bis zum heutigen Tag Bestand.

Das ist doch genau das Interessante an der Liebe. Sie macht absolut keinen Sinn. Was auf dem Papier steht, mag für den einen absolut richtig sein und für jemand anderen hingegen völlig falsch. Und wenn du in jemanden verliebt bist, dann tust du eben verrückte Dinge. Dinge keinen Sinn ergeben.

Doch in Bezug auf diese spezifische Geschichte ist der Unterschied wohl der, dass seine Geheimnisse auf seine Karriere beschränkt waren, nicht auf sein Privatleben. Ich denke, dass könnte Lindsay geholfen haben, die Lücken und die Trennungen in deren Beziehung zu überbrücken.

Inwiefern hat sich Ihr Leben mit dem Film in Bezug auf die Nutzung von Smartphones und Social Media verändert?

Ich habe von der Geschichte erfahren als sie 2013 überall in den Medien war, denn ich war fasziniert davon und wollte unbedingt mehr darüber erfahren. Ich wusste jedoch nichts über Edward Snowdens eigentliches Leben und das ist es, was mir der Film beigebracht hat. Kein Wunder werden viele Menschen langsam paranoid, wenn man sich vor Augen führt, dass zum Beispiel dieses Gespräch durch mein Telefon (hebt ihr Smartphone auf, dass sie vor dem Gespräch vor sich auf den Tisch gelegt hat) in diesem Moment mitgeschnitten und in einer internationalen Datenbank gespeichert werden könnte.

In meinen Augen führt Paranoia zu einer gewissen Tatenlosigkeit. Es inspiriert einen nicht, irgend etwas ändern zu wollen. Ich persönlich finde es wirklich spannend, Technologie und Privatsphäre unter eine Decke zu bringen und mit diesen Innovationen zu leben, dank denen die Menschheit so riesige Schritte nach vorne hat machen können. Gleichzeitig sollte es ein Grundrecht sein, dass unsere Privatsphäre und unsere heilige Natur geschützt bleiben, doch offensichtlich ist das ein Privileg.

Im Jahr 2014 äusserten Sie in einem Interview, dass Sie ihr Smartphone weggeworfen hätten, aber wie ich sehen kann, besitzen Sie mittlerweile wieder eines. Wie kam es zu diesem Sinneswandel, insbesondere nachdem Sie Snowden abgedreht haben?

Ich hatte zwischen 2013 bis Ende 2014 tatsächlich kein Smartphone mehr. Der Grund dafür war, dass ich zu Abhängig davon geworden bin. Ich habe versucht mich meiner Umgebung immer bewusst sein und mich nicht zu sehr auf das System zu verlassen. Also bin ich es losgeworden und ich fand das super! Aber ich habe jetzt wieder eines, weil ich damals auf Pressetour war – ich glaube das war für Die Bestimmung: Insurgent – und Lionsgate (das Filmstudio, Anm. d. Red.) wollte, dass ich erreichbar war, also sagte ich: “Grossartig, gebt mir ein Telefon.” Das ist also eigentlich Lionsgates Telefon. Sehen wir also was passiert, wenn wir diesen vierten Film machen, ob ich es dann zurückgeben muss oder nicht (lacht).

„Ich mache Die Bestimmung – Ascendent nur als Film“

Hat sich diesbezüglich schon etwas getan?

Ich bin mit dabei, wenn es ein Film wird.

Einer der Studiobosse von Lionsgate ist ebenfalls am Zurich Film Festival. Sie sollten mit ihm darüber reden.

Patrick Wachsberger?

Exakt! Er wird heute Abend über den Grünen Teppich laufen. Sie sollten Ihn sich also schnappen!

(Lacht.) “Entschuldigung, Patrick. Können wir einen Film daraus machen?” Das wäre grossartig.

Als Sie die rolle in Snowden annahmen, haben Sie je darüber nachgedacht, dass diese Rolle Ihrer Karriere auf irgendeine Art und Weise schaden zufügen könnte?

Nein, im Gegenteil. Ich bin diesem Film nachgejagt. Vor allen Dingen bin ich eine Künstlerin. Die Grenzen zwischen Prominenz und Schauspieler sind heute so sehr verschwommen, dass wir vergessen, dass Schauspielerei Kunst ist. Noch wichtiger als Kunst ist mir die Menschheit und diese Erde. Und letzten Endes bin ich auch nur eine Frau, die sicherstellen will, dass es noch eine Erde und eine Gesellschaft gibt, in die meine Kinder hineingeboren werden können. Und Dinge wie Massenüberwachung und andere Themen, die ich bekämpfe, sind wichtige Dialoge, die wir führen sollten. Egal ob wir gleicher Meinung sind oder nicht, wir sollten miteinander darüber sprechen. Und obwohl ich in diesem Film wegen seiner Kunst sein wollte, freute ich mich schon zu Beginn darauf, hier im Raum zu sein. Das ist das erste mal, dass ich einen Film gemacht habe, um dafür auf Pressetour gehen zu können. Normalerweise macht man einen Film nicht aus diesem Grund. Aber die Geschichte ist so unglaublich faszinierend und wichtig, weshalb ich mich enorm darauf gefreut habe, mit Journalisten Diskussionen zu führen. Es war mir auch wichtig ein Thema, das viele als Kontrovers erachten, auf den Tisch zu bringen. Denn wenn man Kontroverse hat, hat man Debatten und wenn man Debatten hat, dann hat man Anregungen. Man wird gezwungen kreativ zu sein und anders zu denken. Und ich denke wir brauchen mehr davon in unserer Welt, wenn wir weiterhin gegen Bedrohungen von heute ankämpfen wollen, wie Donald Trump oder der IS. (lacht)

Sie haben eine Art Bewerbungsschreiben gemacht, um in diesem Film zu sein und haben das auch schon erfolgreich bei The Fault in Our Stars getan. Ich habe gehört, Sie seien ein grosser Star Wars Fan…

Oh, sollte ich wieder einen Brief schreiben? (lacht)

Exakt!

Wer weiss. Ich sollte es versuchen. Briefe sind mächtig. Sie sind eine Neuheit heutzutage. Sehr wenige Menschen schreiben noch Briefe.

Gibt es andere Projekte, die schon etwas konkreter sind?

Im Januar oder Februar nächstes Jahr kommt eine neue Mini-Serie (Big Little Lies, Anm. d. Red.) bei HBO raus, auf die ich mich sehr freue. Jean-Marc Vallée (Dallas Buyers Club, Anm. d. Red), ein Frankokanadier führt Regie. Dann habe ich noch für ein neues Projekt unterschrieben, dass nächstes Jahr in Produktion gehen wird, doch darüber kann ich jetzt noch nichts verraten.

Joseph Gordon-Levitt, Shailene Woodley und Oliver Stone am Set von Snowden (BIld: Open Road Films)

Joseph Gordon-Levitt, Shailene Woodley und Oliver Stone am Set von Snowden (BIld: Open Road Films)

Wie war es Lindsay zu spielen – immerhin eine Frau, die noch lebt und sich das Ergebnis ansehen kann?

Wahnsinnig furchteinflössend. Drei Monaten nach Beginn der Dreharbeiten kam sie inmitten einer Aufnahme an den Set und ich erinnere mich, wie ich dachte: “Fuck, sie steht auf der anderen Seite der Kamera und ich stehe hier und tue so als wäre ich sie. Ich hoffe, sie ist mit den Entscheidungen einverstanden, die ich gemacht habe.” Aber sie war sehr liebenswürdig. Lindsay ist etwas, wovon viele nicht gewusst haben in Edwards Snowdens Geschichte und das hat seinen Grund. Denn sie hat nie mit den Journalisten gesprochen, auch nicht als sie schreckliche Dinge über sie geschrieben haben. Sie hat einfach Gras darüber wachsen lassen und es ausgestanden. Dazu braucht es enorm viel Selbstvertrauen und dafür bewundere ich sie sehr. Und ich bin mir sicher, dass Edward in vielerlei Hinsicht nicht das getan hätte, was er letztlich getan hat, wenn sie nicht in seinem Leben gewesen wäre.

Hat sie den Film schon gesehen?

Ja.

Und was hat sie darüber gesagt?

Sie ist einfach froh, dass die Katze jetzt aus dem Sack ist. Dass die Geschichte erzählt werden konnte und dass wieder über das Thema gesprochen wird. Denn oftmals funktioniert der Nachrichten-Zyklus so, dass wenn die Schlagzeilen da sind, für eine Weile alle aufgeregt darüber diskutieren und jeder eine Meinung dazu hat. Aber schon bald ist alles wieder vergessen ist und niemand spricht mehr darüber, obwohl es uns immer noch betrifft. Der Film hat die Möglichkeit, das Thema auf eine massentaugliche Weise zurück auf den Tisch zu bringen, so dass die Dialoge wieder aufgenommen werden können. Aber das Coole war, dass Jo (Joseph Gordon-Levitt, Anm. d. Red.) und ich die Möglichkeit hatten, Edwards Familie an der New Yorker Premiere kennenzulernen. Speziell war, dass sie sehr schmeichelhafte Dinge zu Jo sagten, wie er ihren Sohn porträtiert hat und auch schmeichelhafte Dinge zu mir sagten in Bezug auf meine Darstellung von Lindsay. Und man kann keine bessere Kritik bekommen als die Anerkennung der Eltern.

Snowden Film Trailer

Shailene Woodley Filmografie (Auswahl)

2011: The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten (The Descendants)
2013: The Spectacular Now – Perfekt ist jetzt
2014: Die Bestimmung – Divergent (Divergent)
2014: Das Schicksal ist ein mieser Verräter (The Fault In Our Stars)
2014: Wie ein weißer Vogel im Schneesturm (White Bird in a Blizzard)
2015: Die Bestimmung – Insurgent (The Divergent Series: Insurgent)
2016: Die Bestimmung – Allegiant (The Divergent Series: Allegiant)
2016: Snowden
2017: Die Bestimmung – Ascendant (The Divergent Series: Ascendant) – unbestätigt

Shailene Woodley Kurzbiografie und Fun Facts

  • Geboren: November 15, 1991 in Simi Valley, California, USA
  • Feierte ihren TV-Durchbruch mit der Teen-Drama-Serie The Secret Life of the American Teenager (2008–2013)
  • Feierte ihren Kino-Durchbruch mit dem Drama The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten an der Seite von George Clooney
  • Wurde für The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten für einen Golden Globe als Beste Nebendarstellerin nominiert
  • Gewann zusammen mit Ansel Elgort 2015 an den MTV Movie Awards einen Moon Man für den Besten Kuss in Das Schicksal ist ein mieser Verräter (The Fault in Our Stars)