Ruhet in Frieden Interview mit Liam Neeson: „Ich würde gerne einmal in einer HBO-Serie mitspielen!“

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In Ruhet in Frieden spielt Taken-Star Liam Neeson den Privatdetektiv Matthews Scudder, einen Ex-Polizisten mit dunkler Vergangenheit. Wie man sich auf eine solche Rolle vorbereitet und was ihn an Scudder fasziniert hat er uns in einem Interview verraten. Ausserdem sprach er über seine anfänglichen Bedenken gegenüber Regisseur Scott Frank.

Manche Menschen besitzen diese unglaubliche Präsenz, mit der sie durch ihre blosse Anwesenheit einen Raum einnehmen. Diese hat eindeutig auch Liam Neeson und das obwohl man ihm während dem Interview im Hotel Baur au Lac eine leichte Müdigkeit aufgrund seine Grippe ansieht. Trotzdem ist er zu Scherzen aufgelegt, während wir mit ihm unter Anderem über seinen neusten Krimi-Thriller Ruhet in Frieden sprechen.

Im Film spielt Neeson den Privatermittler und Ex-Alkoholiker Matthew Scudder, der über einen einzelnen Entführungsfall plötzlich in ein Serienverbrechen im Drogenmillieu verwickelt wird.

Blogbusters: Wir sind es uns mittlerweile gewohnt, Sie in Actionrollen zu sehen. Ruhet in Frieden ist allerdings sehr anders. Warum haben Sie sich entschieden diese Rolle anzunehmen?

Liam Neeson: Das Drehbuch hat mich angesprochen. Einzelgänger-Charaktere mit einem dunklem Hintergrund scheinen mich anzuziehen. Sie gleichen den amerikanischen Kino-Ikonen, mit denen ich aufgewachsen bin. Ich fühlte mich hingezogen zu Privatdetektiven wie Robert Mitchum oder Clint Eastwoods Dirty Harry. Typen, die sich dem System wiedersetzten.

Blogbusters: Wie würden Sie Scudder beschreiben?

Liam Neeson: Er ist ein Einzelgänger, der von seiner Vergangenheit verfolgt wird. Seine Jahre als Polizist sind in seiner DNA praktisch verankert, er kann die jahrelang antrainierte Art zu Ermitteln nicht mehr einfach so abschütteln. Er war früher starker Alkoholiker, dagegen muss er immer noch jeden Tag ankämpfen. Scudder ist moralisch ambivalent. Er steht mit einem Bein bei der Gerechtigkeit und mit dem anderen im Lager seiner Feinde.

Blogbusters: Wie bereitet man sich auf einen solchen Charakter vor?

Liam Neeson: Ich habe einige von Lawrence Blocks Büchern (Autor von Ruhet in Frieden, Anm. d. Red.) gelesen und viele andere skandinavische Krimi-Romane. Ich lese immer noch welche. Ich liebe sie. Ich kann einfach nicht damit aufhören. Allerdings habe ich bisher noch nicht alle der 16 Scudder Bücher gelesen. (lacht)

Liam Neeson in Ruhet in Frieden

Blogbusters: Heisst dies ein zweiter Scudder-Film wäre möglich?

Liam Neeson: Das hängt davon ab, wie der erste Film am Box Office abschneiden wird. In Hollywood dreht sich alles um Cents und Dollars, dies sind die Grundpfeiler. Wenn der erste Film genügend Geld einspielt, dann wird es einen Zweiten geben. Aber ich würde sehr gerne erneut die Rolle des Scudder übernehmen.

Blogbusters: Haben Sie weitere Recherchen für ihre Rolle betrieben? Der Film befasst sich ja auch stark mit dem Thema Alkoholismus.

Liam Neeson: Ich war an vielen Treffen der Anonymen Alkoholiker. Es war sehr berührend dabei zuzusehen, wie diese Leute inmitten einer Gruppe von Fremden aufstehen und über ihr Leben mit Alkohol oder Drogen erzählen. Dabei werden sie unterstützt von den anderen Anwesenden, einfach weil diese ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Alle diese kleinen Taten von Mut, das hat mich beeindruckt.

Blogbusters: Sie wollen Ihre Actionfilmkarriere in zwei Jahren an den Nagel hängen, haben Sie am Tag vor diesem Interview an einer Pressekonferenz gesagt.

Liam Neeson: Habe ich das? Ja, in zwei Jahren, ich denke dann reicht es langsam. Ich meine, ich bin dann schon 64 Jahre alt und ewig kann ich das nicht machen. (lacht)

Blogbusters: Sie sehen aber jünger aus, was ist ihr Geheimnis?

Liam Neeson: Entschuldigt uns kurz.

Er macht eine verschwörerische Geste in Richtung Tür, so als ob er sein Geheimnis nur unter vier Augen preisgeben würde. Dann lacht er verschmitzt. Die Frage hat er sicher schon einige Male gehört, doch statt eine Standardantwort abzuspulen, kontert er geschickt mit sympathischem Humor.

Blogbusters: Bei einer Award-Zeremonie am Zurich Film Festival haben Sie erwähnt, dass Sie zu Beginn Zweifel hatten mit Scott Frank zu arbeiten.

Liam Neeson: Ja. Er hat sich einen wirklich grossartigen Namen als Drehbuchautor gemacht und wenn solche plötzlich Regie führen wollen, werde ich sehr vorsichtig. In der Vergangenheit habe ich mit einigen solchen Drehbuchautoren gearbeitet und denen hätte ich am liebsten gesagt: “Mach lieber wieder das, worin du wirklich gut bist!“. Aber bei Scott änderte ich meine Meinung ab dem ersten Tag voll und ganz: Er ist auch als Regisseur richtig gut.

Blogbusters: Was hat Sie, trotz Ihrer anfänglichen Vorbehalte, überzeugt, mit ihm zusammenzuarbeiten?

Liam Neeson: Er hat mir klar gezeigt, dass er sich bei der Sache wirklich etwas überlegt hat. Er war sich seiner Sache sehr sicher und wusste genau was er wollte. Ich würde sehr gerne wieder mit ihm arbeiten.

Blogbusters: Viele Schauspieler wenden sich immer mehr dem Fernsehen zu, weil es dort bessere Drehbücher gibt.

Liam Neeson: Es ist nicht so, dass die Filmdrehbücher plötzlich alle schlecht werden. Viele Filme wiederholen aber immer wieder dieselben Formeln. Beim Kabelfernsehen haben die Drehbuchautoren mehr Zeit für die Charakterentwicklung, über mehrere Folgen oder gar Staffeln hinweg. Deswegen zieht es immer mehr gute Autoren zum Fernsehen.

Blogbusters: Wurden Sie auch schon für eine Fernsehserie angefragt?

Liam Neeson: Nein, aber ich würde wirklich gerne einmal eine solche Rolle übernehmen, zum Beispiel bei HBO. Ich habe erst kürzlich Fargo gesehen und die Serie ist phänomenal gut. Grossartiges Drehbuch und fantastische Schauspieler.

Blogbusters: Sie sehen für ihre 62 Jahre sehr jung aus. In Hollywood herrscht bekanntermassen ein hoher Druck ewig jung auszusehen, vor allem für Schauspielerinnen. Nehmen Sie diesen als Mann auch war?

Liam Neeson: Ich gerate immer wieder in Schwierigkeiten mit Schauspielerinnen, wenn ich ihnen sage: „Ich möchte in Hollywood für alles Geld der Welt keine Schauspielerin sein.“. Ich hatte zum Beispiel einmal ein Interview mit Julianne Moore und als ich diese Aussage machte, nahm sie Anstoss daran. Ich sagte ihr: „Julianne, wie viele wie dich gibt es? Zwei! Wie viele Meryl Streeps? Eine! Und tausende von Schauspielerinnen kommen jedes Jahr nach Hollywood und hoffen auf einen Durchbruch.“. Aber als Mann spüre ich diese Art von Druck weniger stark.

Mini-Bio und Trivia Liam Neeson

  • Neeson ist in Irland aufgewachsen und jetzt britischer und US Doppelbürger.
  • Er begann zuerst in Belfast ein Studium in Physik, Computerwissenschaften und Mathematik, bevor er 1967 zum Theater wechselte.
  • Bekannt ist Neeson vor allem für seine Hauptrollen in Schindlers Liste (1993) sowie in den Filmen Taken (2008) und Taken 2 (2012).
  • Für seine Rolle in Schindlers Liste (1993) war er für einen Oscar sowie für einen Golden Globe nominiert.
  • Weitere seiner bekannten Film sind The Haunting (1999), Nell (1994), Les Misérables (1993), Das A-Team (2010) oder zuletzt Non-Stop (2014).

Trivia Ruhet in Frieden

  • Der Film beruht auf dem Buch A Walk Among the Tombstones von Lawrende Block, der deutsche Buchtitel ist Ruhet in Frieden.
  • Lawrence Block freute sich sehr über die Beteiligung von Liam Neeson, da er ihn schon länger als Verkörperung von Scudder im Kopf hatte.
  • Es war Regisseur und Drehbuchautor Scott Frank, der das Buch unbedingt verfilmen wollte und damit beim Studio vorstellig wurde.

Kommende Filmprojekte

  • Taken 3 (2015), Action / Crime / Thriller. Regie: Olivier Megaton. Mit Famke Janssen, Maggie Grace, Forest Whitaker, Dougray Scott. Story: Bryan Mills von CIA, FBI und der Polizei, gejagt, weil er des Mordes an seiner Frau bezichtigt wird. Einerseits auf der Flucht befindend, muss er andererseits auch den wahren Täter finden und das einzige beschützen, was für ihn noch von Bedeutung ist; seine Tochter.
  • Run All Night (2015), Action / Crime / Drama, Regie: Jaume Collet-Serra. Mit Genesis Rodriguez, Joel Kinnaman, Ed Harris, Vincent D’Onofrio. Story: Ein alternder Auftragskiller wird dazu gezwungen sich mit seinem brutalen Ex-Boss anzulegen, um seinen entfremdeten Sohn und dessen Familie zu beschützen.
  • Ted 2 (2015), Komödie, Regie: Seth MacFarlane, mit Mark Wahlberg, Amanda Seyfried, Seth MacFarlane, Morgan Freeman.
  • Silence (2015), Geschichtsdrama. Regie: Martin Scorsese. Mit Anderew Garfield, Adam Driver, Issei Ogata. Story: Als zwei christliche Priester im siebzehnten Jahrhundert nach Japan reisen, um ihrem Mentor zu finden und um das Evangelium des Christentums zu verbreiten, werden sie mit Gewalt und Verfolgung konfrontiert.
  • A Monster Calls (2016), Drama / Fantasy. Regie: J.A. Bayona. Mit Felicity Jones, Toby Kebbell, Sigourney Weaver, Geraldine Chaplin. Story: Ein Junge sucht Hilfe bei einem Baum-Monster, um mit der unheilbaren Krankheit seiner alleinstehenden Mutter zurecht zu kommen.