Der Medicus Interview mit Tom Payne: „Ich glaube nicht an Helden“

by

Am Weihnachtstag, dem 25. Dezember, kommt mit Der Medicus eine deutsche Grossproduktion mit internationalen Stars in die Kinos. Unter den Darstellern befinden sich Grössen wie Ben Kingsley, Stellan Skarsgård und Olivier Martinez. Letzteren hatten wir bereits im Interview. Als nächstes stand unserer Autorin Jelena der britische Shooting-Star Tom Payne (mehr zur Person am Ende des Interviews) Rede und Antwort.

Als ich vor der edlen Holztüre des Sitzungszimmers im Hotel Dolder Grand in Zürich stehe, bin ich ein wenig aufgeregt. Nicht weil ich keine Erfahrung hätte, viel mehr, weil die Erfahrung jedes Mal eine andere ist. Wie wird die Person sein, wird sie auf meine Fragen eingehen, abgehoben sein, arrogant, werde ich ins Stocken kommen? Ausserdem gab es fast nichts zu recherchieren über Payne. Die Türe geht auf einmal mit einem Schwung auf und trifft mich fast. Die Redakteurin des Blick kommt frisch fröhlich lachend heraus und meint: „Er ist sooooo ein Lieber! Wirklich ein richtig Süsser! Er redet und redet, es war ganz einfach!“ Mir fällt ein Stein vom Herzen.

Wie ich so ins Zimmer trete, sehe ich ihn dasitzen. Den neuen Stern am Hollywoodhimmel: Tom Payne. Er wirkt klein. Als er aufsteht, um mir die Hand zu geben, bestätigt sich diese Vermutung. Der Teenie-Schwarm ist ein ganzer Kopf kleiner als ich. Trotzdem zieht mich seine gewinnende und aufgestellte, intelligente Art in ihren Bann. Im sitzen fällt sowieso nicht auf, wie gross man ist.

Blogbusters: Wie geht’s?

Tom Payne: Gut, wir sind oft unterwegs. Morgen fliege ich um 5.30 Uhr in der Früh schon wieder weiter. Ich sehe leider nicht viel von der Stadt, aber das Hotel ist wundervoll und alles was ich bis jetzt sehen konnte war ausserordentlich schön und sauber. Der Flughafen war toll (lacht). Alles in Silber und Weiss und eben. Sauber. Momentan warten alle auf das Anlaufen des Films und vor allem auf die Zahlen. Ich hatte nie daran gedacht, doch plötzlich redeten die Produzenten ständig davon und jetzt bin ich ein wenig aufgeregt. Ach, ich will gar nicht daran denken (lacht).

Wow! Was hat Ben Kingsley gerade eben gesagt?

Blogbusters: Da wir schon bei den Ängsten sind. Es dauerte relativ lange, bis man den Hauptdarsteller für Der Medicus fand. Wie war deine Reaktion als du kontaktiert wurdest?

Tom Payne: Schon ein Jahr vor Start der Produktion hatte man mich kontaktiert. Man kannte mich durch eine TV-Serie. Ich war einer von acht Jungs. Leider wurde nichts aus dem Film und der Regisseur verliess das Projekt. Dann, ein Jahr später, an einem Freitag, bekam ich den Anruf von meinem Agenten. Er sandte mir das Skript zu und meinte, ich solle es über das Wochenende lesen. Es war riesig und ich war ein wenig eingeschüchtert. Also, wie ich nun mal bin, legte ich es weg und vergass es. Dann musste ich es irgendwann lesen (lacht). Es ging um die Hauptrolle in einem riesigen Epos. Ich wusste nicht, ob ich wirklich fähig bin, diese Figur zu sein. Man weiss nicht ob es klappt, bis es fertig ist. Zwei Wochen später war ich in Deutschland und wir begannen mit den Dreharbeiten.

Blogbusters: Hattest du auch Angst davor, mit diesen grossen Schauspielern zusammenzuarbeiten?

Tom Payne: Ich hatte zuvor bereits mit grossen Namen wie Amy Adams, Dustin Hoffmann, Nick Nolte und anderen gearbeitet. Ich war es gewohnt auf diesem Niveau zu arbeiten. Natürlich habe ich enormen Respekt vor all diesen angesehenen Schauspielern und es gibt immer etwas, was man von ihnen lernen kann. Wenn es aber darum geht, professionell zu arbeiten, ist es nicht förderlich sich mit solchen Ängsten zu beschäftigen. Es lenkt ab. Am Set befinden sich alle im selben Boot. Man muss sich gegenseitig helfen, den Ball hin und her werfen. Es gab Momente die surreal waren, zum Beispiel als Regisseur Philipp Stölzl eine Frage hatte zu dem, wie wir etwas angehen wollen und Ben Kingsley antwortete: „Was auch immer gut ist für meinen Hauptdarsteller.“ Wow. Was hat Ben Kingsley gerade gesagt (lacht)? Da steht man völlig neben sich und fragt sich, ob das real sein kann (lacht).

Ich möchte besser sein als mein Vater.

Blogbusters: Im Film geht es darum, seinen Meister zu finden und ihm zu folgen, von ihm zu lernen, bis man sogar besser wird. Was waren deine Vorbilder?

Tom Payne: Ich habe nie an Helden geglaubt. Nicht mal als kleiner Junge. Denn das würde bedeuten, dass jemand besser ist als du selbst. Jemand auf einen Sockel zu stellen ist ungesund. Ich musste einmal in der Schule über meine Helden schreiben und schrieb dann über meinen Hund (lacht). Ansonsten kommt mir nur mein Vater in den Sinn. Zwar wird man älter und erkennt die Fehler der Eltern, die man vermeiden möchte, macht dann aber seine eigenen. Und trotzdem ist er mein Vorbild, auch wenn ich besser sein möchte.

Tom ist ausserordentlich gesprächig, sehr höflich und lacht enorm viel. Dabei bleibt er immer korrekt und gibt nichts preis, das Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Für sein junges Alter ist er doch sehr PR-geschult. Trotzdem wirkt seine Art, anders als im Film, absolut erfrischend, spontan und einnehmend. Es macht Spass mit ihm zu reden. Ganz wie beim Kaffee mit dem besten Freund. Es fliesst, und erst noch in britischem Akzent.

Blogbusters: Hast du Angst davor, dass sich dein Leben nach diesem Film verändern wird?

Tom Payne: Ehrlich gesagt ja, ich hatte gestern einen komischen Moment. Wir waren in Wien an der Premiere. Draussen standen überall Leute an den Fenstern, die Autogramme wollten. Ich redete dann mit Stellan (Co-Star Stellan Skarsgård, Anm. d. Red.) über meine Überraschtheit. Ich weiss jetzt, dass es nun kein Zurück mehr gibt. Etwas entgleitet mir. Das könnte jetzt mein Leben sein. Ich verliere die Kontrolle über mein Image. Die Leute wollen nun ein Stück von mir. Der Wechsel ging so schnell. Ich bin noch ganz verwirrt (lacht).

Für mein Ziel musste ich Opfer bringen und verzichten.

Blogbusters: Wie kamst du in die Staaten?

Tom Payne: Nach acht Jahren in London sass ich karrieretechnisch fest und bekam keine guten Angebote mehr. In einem schrecklichen Jahr musste ich einen billigen DVD-Horrorfilm (The Task, Anm. d. Red.) machen und eine Gastrolle in einer TV-Serie übernehmen (lacht). So beschloss ich einfach nach L.A. zu ziehen und mit dem Schicksal zu spielen. Jedes Mal, wenn ich ein Risiko eingegangen bin und mein Leben in die Hände genommen habe, lohnte es sich für mich. Drei Wochen nach meiner Ankunft, da schlief ich noch auf dem Boden der Assistentin meines Agenten, bekam ich den grossen HBO-Job (Die TV-Serie Luck mit Dustin Hofmann und Nick Nolte, Anm. d. Red.).

Blogbusters. Warst schon du immer so ambitioniert?

Tom Payne: In meinen Zwanzigern war ich in der Tat sehr zielorientiert und fokussiert und vor allem sehr selbstsicher. Ich wusste genau was ich wollte und liess mich nicht davon abbringen. Es war keine Wunschvorstellung. Ich wusste, es würde klappen. Dadurch habe ich viele Menschen vernachlässigt und abgestossen. Für mein Ziel musste ich Opfer bringen und auf Leute verzichten. Aber ich wusste wo ich hin wollte und dachte mir: Ist das nicht okay? Ich hatte immer einen klaren Plan. Leute legen sich selbst Fesseln an, indem sie nicht gänzlich an etwas glauben. Ich habe nie gezweifelt. Alles in meinem Leben drehte sich um dieses Karriereziel. Es war auch viel Glück mit dabei, klar. Und meine Augen haben mir bestimmt auch ein Stück weit geholfen (lacht). Mein letztes Ziel war es, die Hauptrolle in einem grossen Film zu spielen. Jetzt weiss ich nicht, wie es weitergeht (lacht). Ich habe keinen Job im Moment und lasse mich jetzt einfach überraschen (lacht).

Blogbusters: Eine letzte Frage für unsere weiblichen Leserinnnen. Bist du in einer Beziehung?

Tom Payne: (lacht) Nein.

Blogbusters: Da habe ich aber etwas anderes gelesen.

Tom Payne: (lacht) Dann lassen wir es offen…

Tom Payne Privat

Tom Payne wurde 1982 in England geboren und wuchs in Bath auf. Schon zu Schulzeiten verfolgte er sein Ziel Schauspieler zu werden. An der London’s School of Speech an Drama, absolvierte er seine Ausbildung und schloss diese 2005 mit einem Bachelor ab. Danach spielte er in einigen britischen Filmen und Fernsehserien, bis er nach Amerika zog, um in der HBO Serie, Waterloo Road mitzuwirken. Darauf folgte das Spielfilmdebüt in Miss Pettigrews grosser Tag und weitere TV-Serien, wie zum Beispiel Luck, mit Dustin Hoffmann. In Der Medicus ist Payne das erste Mal in der Hauptrolle eines Hollywoodfilms zu sehen.

Text und Bilder: Copyright © 2013 Blogbusters