Bridget Jones’s Baby Interview mit Sharon Maguire: „Bridget hat eine innere Selbstverachtung“

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Im Rahmen des 12. Zurich Film Festival ist Sharon Maguire nach Zürich gereist und sprach mit Blogbusters über ihren neuen Film Bridget Jones’s Baby und die Kunst der Komödien.

15 Jahre nach ihrem letzten Film Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück, kehrt Sharon Maguire für den dritten Teil der Reihe Bridgets Jones Reihe wieder zurück auf den Regiestuhl. In Bridget Jones’s Baby ist Bridget (erneut gespielt von Renée Zellweger) in ihren Vierzigern angekommen und kämpft mit altbekannten und ganz neuen Problemen.

Hört man Sharon Maguire so leidenschaftlich über Filme sprechen, fragt man sich definitiv, weswegen erst diese Fortsetzung sie wieder dazu gebracht hat, Regie bei einem Langfilm zu führen.

Blogbusters: Weswegen sind Sie nach so langer Regiepause für Bridget Jones’s Baby zurückgekehrt?

Sharon Maguire: Glücklicherweise wurde ich angefragt, ob ich den Film machen will (lacht). Einen Film zu machen, ist zudem ein wenig wie ein Baby zu bekommen. Nach einer Weile vergisst man die Schmerzen und denkt: “Oh, ich möchte es wieder einmal machen.”

Aber ich hatte zuerst Bammel davor das Skript zu lesen. Ich bin den Charakteren und ihrer Welt sehr nahe. Somit hatte ich Angst zu erfahren, dass ihre Wünsche sich in den letzten 15 Jahren nicht erfüllt haben. Ich wusste, ich würde damit gewissermassen überprüfen, ob meine eigenen Vorstellungen wahr geworden sind. Die Geschichten von Bridget Jones reflektieren immer auch mein eigenes Leben zu mir zurück.

Sie sind mit der Bridget Jones Autorin Helen Fielding eng befreundet, haben Sie ihr Fragen zum Film gestellt?

Ja, absolut. Helen hat die Bridget Jones Geschichten 2006 als Zeitungskolumne zurückgebracht. Sobald sich das Filmstudio Universal Pictures entschieden hatte den Film zu machen und alle Leute von den letzten Filmen wieder zusammen bekommen konnte, ging alles sehr schnell. Es ist nicht einfach, so viele Schauspieler zu selben Zeit wieder zusammenzubekommen.

Ich habe Helen konstant gefragt: „Was wäre Bridget Jones innere Stimme hier und wie würde ihre Stimme im Kontrast zu dem stehen, was sie gegen aussen tut. Ich glaube, dies ist der Schlüssel zu Bridget. Sie hat eine innere Selbstverachtung, Selbstzweifel. Dies ist auch der Grund weswegen sie so beliebt ist.

Viele Frauen identifizieren sich mit Bridget Jones.

Ja, sie hat Fehler und ist humorvoll. Ich glaube, im Herzen ist zudem eine wirklich freundliche Person. In einem Zeitalter der Äusserlichkeiten setzt sie Güte an erster Stelle.

Der Film bleibt immer leichtfüssig humorvoll, auch wenn Bridget Jones eine Menge Tiefs durchmacht. Wie bringt man so etwas hin?

Ich glaube, dies ist der Schlüssel zu den Filmen. Die Welt teilt sich in dieser Hinsicht in zwei Teile. Ich gehöre zu jenen Leuten, die in allem immer auch die humorvolle Seite sehen. Und ich glaube Helen – und damit die Bridget Jones Welt – kommt auch von daher. Es geht um das Anekdotisieren von Katastrophen. Wenn Freunde zusammenkommen und über Vorkommnisse in ihrem Liebesleben oder persönlichen Leben diskutieren und im Nachhinein darüber lachen. Es steckt immer etwas Lustiges in allem Schlechtem was passiert, man muss es nur suchen.

Bridget Jones ist seit ihrem letzten Film älter geworden. Hat sie sich sonst noch verändert oder an die neuen Zeiten angepasst?

Ja, wir haben sie in ihre Vierziger versetzt und in den Vierzigern passieren wichtige Dinge, ob man es will oder nicht. Leute sterben, die eigene biologische Uhr stirbt langsam, man nimmt sich mehr vor das eigene Leben zu verändern. Was der Bridget Jones Generation zudem passiert, wie auch mir: Wir sind umgeben von der Tinder und Buzzfeed Generation und das ist sehr verwirrend und ein wenig beängstigend. Dies alles zusammen führt zu Bridget Jones Dilemma in ihren Vierzigern. Alle ihre Freunde sind vergeben und haben Babyie und sie nicht. Sie arbeitet zwar als erfolgreiche News-Produzentin, aber sie ist umgeben von Leuten aus einer anderen Generation, die die Welt anders sehen.

Der Film enthält auch eine Menge Slapstick. Wie bekommen Sie dafür jeweils das richtige Timing hin?

Eine grosse Menge wird während dem Schneiden des Filmes gemacht. Wie man es schneidet ist Instinkt. Wir testen Komödien zudem immer vor Zuschauern. Dabei merkt man, was am besten ankommt. Ich vertraue mittlerweile meinen eigenen Instinkten, was mich zum Lachen bringt und was nicht. Aber Slapstick beunruhigt mich am meisten. Ich mache es aber trotzdem gerne, vor allem mit Renée Zellweger. Sie ist grossartig darin, sehr flexibel und ein richtiger Clown.

Sharon Maguire am Set während der Dreharbeiten zu Bridget Jones's Baby (Film, 2016)

Sharon Maguire am Set während der Dreharbeiten zu Bridget Jones’s Baby (Bild: Universal Pictures)

Wir versuchen immer die Motivation dahinter zu finden. Wenn man zum Beispiel seine Freundin zum Spital tragen müsste und das Spital hätte eine Drehtüre… (lacht) Das kam nicht vom Skript, sondern entstand während des Besuchs am Drehort. Wir dachten: „Drehtüren bei einem Spital, das ist nicht sehr praktisch, aber irgendwie muss er sie jetzt halt da durch tragen.“

Slapstick ist aber ein schmaler Grat. Aller Humor ist immer sehr subjektiv. Ich mag verschieden Arten von Humor, auch politisch Unkorrekten. Wir haben davon auch ein wenig drin, der kommt von Co-Drehbuchautor Dan Mazer. Auf derselben Seite haben wir auch ein wenig old fashioned Jane Austen Rom-Com mässigen Humor drin. Der Film ist also ein ziemlicher Mix.

Was sind Ihre bevorzugten Lieblingskomödien?

Wenn man genau hinschaut, sieht man deren Einfluss im Film. Annie Hall (1977) ist zum Beispiel deutlich erkennbar. Annie Hall funktioniert für mich immer noch, weil es eine ungewöhnliche Art von Komödie ist. Sie ist lustig, erzählt aber eigentlich wie es zum Zerbrechen einer Beziehung kommt. Es gibt kein Happy End. In einer der Schlüsselszenen reden sie miteinander und es erscheinen Untertitel auf dem Bildschirm, in denen steht, was sie wirklich denken. Und ich glaube Bridgets innere Stimme ist ein ähnlicher Mechanismus.

Ausserdem Billy Wilders The Apartment (1960). Darin dreht sich alles um Einsamkeit und dies ist Bridgets grösste Angst. Eine der ikonischsten Szenen ist Bridget Jones alleine in ihrem Apartment.

Ich liebe aber auch das Werk von Judd Apatow oder Paul Feig. Sie beiden haben Komödien einen dringend benötigten frischen Wind verliehen.

Gibt es weitere Regisseure aus anderen Genres, die Sie inspirieren?

Martin Scorsese. Er führt Regie, wie wenn er einen Tanz mit der Kamera inszenieren würde. Es ist wunderbar, wie er Geschichten mit Voice Over und Kamerabewegungen erzählt. Seine Filme sind wie ein visuelles Feuerwerk. Ich wünschte, ich könnte dies auch. Aber die Geschichten, die ich bisher erzählt habe, haben dies nie benötigt

Sie macht eine längere Pause, scheint zu überlegen.

Mir kommen gerade keine weiteren in den Sinn, obwohl ich gerne noch einige weibliche Regisseurinnen aufzählen würde.

Viele zählen Bridget Jones zu den sogenannten “Chick Movies”. Ein Titel, der meist romantischen Komödien angehängt wird und in der Regel negativ gemeint ist. Warum glauben Sie, wird auf diese Art von Filmen oft heruntergeschaut?

In der Regel sind es männlich Kritiker, die dies tun. Mir ist zum Beispiel bei Bridget Jones’s Baby aufgefallen: Eine Menge männlicher Kritiker scheinen den Film wirklich zu mögen und schreiben überragend positives Reviews darüber, aber geben ihm dann doch nur 3 Sterne. Ich glaube, vielleicht ist es nicht “cool” für Männer Rom-Coms zu mögen. Auch wenn ich glaube, dass Bridget Jone’s Baby eine universelle Komödie mit männlichem und weiblichem Humor ist. Ich wünscht,e es gebe mehr weibliche Kritikerinnen.


Unsere Review zu Bridget Jones’s Baby findet sich hier.


Bridget Jones’s Baby Trailer

Sharon Maguire Kurzbiografie und Fun Facts

  • Ist mehrfache BBC Dokumentarfilmerin
  • Der Character „Shazza“ aus den Bridget Jones’s Diary Büchern und Filmen, basiert auf ihrer Persönlichkeit, da sie privat gut mit Helen Fielding, der Autorin der Bücher, befreundet ist.
  • Studierte Englisch und Theaterwissenschaft an der Aberystwyth University. Im Postgradualen Studium erlangte sie die Lehramtsbefähigung. Im Anschluss belegte sie an der City University London Publizistik.
  • Führte bei einer Oscar nominierten Darbietung Regie: Renée Zellweger in Bridget Jones’s Diary (2001).