American Pastoral Interview mit Jennifer Connelly: „Die Arbeit mit Ewan McGregor war eine neue Erfahrung für mich“

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Am 12. Zurich Film Festival hat Jennifer Connelly uns verraten, weswegen Amerikanisches Idyll nicht nur wegen der Thematik der Radikalisierung aktuellste Themen beinhaltet, obwohl er während dem Vietnamkrieg spielt.Ausserdem: Wie Ewan McGregor als Regisseur so ist und was sie an der Rolle fasziniert.

Vom Mädchen in Labyrinth mit David Bowie als Co-Star über A Beautiful Mind und Reqiuem for a Dream, bis hin zur biblischen Noah-Geschichte: Jennifer Connelly hat als Schauspielerin eine breite Vielfalt an Filmen im Portofolio. Vielfältig ist auch ihre neuste Rolle in Ewan McGregors Amerikanisches Idyll.

In der Verfilmung des gleichnamigen Buchs von Phillip Roth spielt sie eine Mutter namens Dawn, deren Tochter sich zur Zeit des Vietnamkriegs radikalisiert, untertaucht und bald für folgenschwere Taten verantwortlich gemacht wird. Das Leben der Bilderbuchfamilie mit dem ehemaligen Highschool-Sportstar Swede und Beauty Queen Dawn gerät damit aus den Fugen. Während Swede auf der Suche nach seiner Tochter zerbricht, sucht Dawn ihren eigenen Weg, um mit der Situation umzugehen.

Connelly empfängt uns für das Interview im Hotel Widder in Zürich. Im Gegensatz zu ihrem gesprächigen Co-Star Ewan McGregor wählt sie ihre Worte stets mit Bedacht.

Blogbusters: Wodurch fühlten Sie sich zu dieser Rolle hingezogen?

Jennifer Connelly: Die Geschichte und besonders der Charakter von Dawn haben mich angesprochen. Für die Vorbereitung war das Buch sehr wichtig für mich. Die Geschichte des Filmes weicht leicht davon ab und ich habe versucht Dawn auf eine Art zu spielen, die mit meiner Interpretation aus dem Buch übereinstimmt.

Dawn durchlebt im Film starke Veränderungen, sowohl in Bezug zu ihrem Charakter, als auch in der Beziehung zu ihrer Tochter. Wie schwierig war die Rolle für Sie?

Dawns Veränderung war für mich faszinierend und auf positiv Art herausfordernd. Ich liebe es zu versuchen, die Motivation eines Charakters zu ergründen, besonders, wenn er einen ganz anderen Hintergrund hat als ich. Zu verstehen, weshalb dieser Charakter Entscheidungen trifft, die ich selbst so nie treffen würde. Die Motivationen von Dawn während den unterschiedlichen Phasen ihres Lebens herauszuarbeiten war deswegen wirklich spannend für mich.

Gibt es einen Teil von Dawns Leben oder Persönlichkeit, den Sie besonders gerne verkörpert haben?

Es war wirklich ihre ganze „Lebensreise“, die mich interessiert hat, nicht nur ein Teil davon. Aber ein Thema, das ich im Film und Buch besonders spannend finde, ist, wie rasch wir über andere Leute urteilen und wie falsch wir oft dabei liegen.

Wenn wir Dawn im Film zum ersten Mal sehen, wird sie gerade zur Schönheitskönigin gekrönt, so wird sie uns vorgestellt. Und dies ist auch die Art und Weise, wie die anderen Leute im Film sie wahrnehmen. Aber sie möchte diese Identität eigentlich zerbrechen und einen authentischeren Weg finden. Sie wird diese Rolle aber nicht los, weil die Leute sie über alle Jahre hinweg immer noch nur als die Schönheitskönigin wahrnehmen.

Sie hat allerdings eine sehr authentische Beziehung zu ihrer Tochter und findet in ihrer Rolle als Mutter Bedeutung. Deswegen trifft es sie umso schwerer, als die Beziehung zu ihrer Tochter zerbricht. Das ist der Zeitpunkt, an dem sie alles aufgibt und sich selbst so aufbaut, wie die Leute sie sehen wollen. Und als sie in dieser Rolle der Schönheitskönigin voll aufgeht, glauben alle, sie hätte sich erholt. Aber eigentlich wollte sie diese Rolle nie einnehmen.

Jennifer Connelly in Amerikanisches Idyll (American Pastoral) Szenenbild (Film, 2016)

Jennifer Connelly als Dawn in Amerikanisches Idyll (Bild: Ascot Elite)

Wie war es mit Ewan McGregor als Regisseur und Schauspielpartner zu arbeiten?

Wir probten einige Wochen vor Drehbeginn und Ewan war immer sehr offen für Fragen zum Skript. Auch während der Dreharbeiten haben wir immer am Morgen noch kurz geprobt und verschiedene Dinge ausprobiert. Bei anderen Drehs komme ich meistens auf das Set und es heisst einfach: „Steh da hin und sag deine Sätze.“ Die Arbeit an diesem Film war damit eine ganz andere Erfahrung.


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Mit dem Thema der Radikalisierung von jungen Menschen hat American Pastoral auch einen gewissen Bezug zu aktuellen Themen.

Es sind zwei Seiten. Der Film handelt mehrheitlich von einer ganz bestimmten Zeitperiode in der amerikanischen Geschichte. Aber auf der anderen Seite, die Rassenaufstände zum Beispiel, und die vereinfachte Art, wie wir andere Leute wahrnehmen, das sind ganz klar aktuelle Themen. Wut und Unruhe von Leuten, die sich in der Gesellschaft nicht genügend repräsentiert fühlen sind ganz klar auch heute wichtige Themen.

Waren Sie bereits zuvor an der Zeitperiode von American Pastoral interessiert oder mussten sie eine Menge recherchieren?

Ich bin sehr an Geschichte interessiert. In der Schule war ich zu jung, um wirklich zu schätzen, wieviel Kontext Geschichte einem geben kann. Ich habe mich nur darüber genervt, dass ich schon wieder Daten auswendig lernen musste. Heutzutage lese ich aber viele historische Sachbücher, wenn ich die Zeit dazu finde. Immerhin habe ich auch kleine Kinder im Haus. (lacht) Für den FiIm habe ich aber natürlich noch zusätzliche Recherchen betrieben.

Hat es Sie stark unter Druck gesetzt in der Adaption eines so bekannten Buches mitzuspielen?

Nein, ich war ja nicht verantwortlich für das Skript. Meine Aufgabe war, die Geschichte einer Frau zu erzählen. Ich hatte keine Kontrolle über den Film als Gesamtes.

Wollen Sie irgendwann einmal die Kontrolle über einen ganzen Film als Regisseurin übernehmen?

Irgendwann vielleicht, aber ich habe keine aktuellen Pläne dazu. Ich habe zugesehen, wie mein Ehemann (ihr Ehepartner, der Schauspieler Paul Bettany hat 2014 mit dem Film Shelter sein Regiedebüt gegeben, Anm. d. Red.) in diese Richtung vorgestossen ist und es frisst sehr viel Zeit. Momentan sind unsere Kinder ja auch noch sehr klein. Zurzeit fühle ich mich noch nicht bereit dazu, aber ich habe durchaus schon auf abstrakte Weise darüber nachgedacht.


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Kurzbiografie Jennifer Connelly

  • 1970 in Cairo, New York geboren
  • begann ihre Karriere als Kindermodel
  • gab 1984 in Sergio Leones Es war einmal in Amerika ihr Schauspieldebüt
  • wurde mit den Filmen Ticket zum Himmel (1985) und Labyrinth (1986) zum Teenie-Idol
  • verheiratet mit Schauspielkollege Paul Bettany (A Beautiful Mind, The Da Vinci Code, Captain America: Civil War)
  • ist Mutter von drei Kindern
  • Botschafterin für Amnesty International und Save the Children