Wahrheit oder Fiktion: Was ist tatsächlich wahr an Mel Gibsons Braveheart?

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Wer gerne Filme schaut und sich gleichzeitig auch noch für Geschichte interessiert, der dürfte sich des öfteren mal die Frage stellen, was am Gesehenen tatsächlich so oder ähnlich geschehen ist und wo sich Hollywood wohl mal wieder seine künstlerischen Freiheiten genommen hat. Die Geschichts-Zeitschrift All About History hat in ihrer neusten Ausgabe Mel Gibsons Braveheart mal etwas genauer unter die Lupe genommen.

Der deutschsprachige Raum hat mit All About History ein neues History-Magazin, dass der breiten Masse unsere spannende Vergangenheit mit einfachen Mitteln näher zu bringen, indem es einerseits, wie es selber von sich sagt, das „große Ganze“ verständlich erklären will, anstatt sich in Details zu verlieren und andererseits auf populäre Themen setzt. Filme sind eines dieser Themen.

In Ihrer aktuellen Ausgabe (und der ersten in deutscher Sprache überhaupt) widmet sich das Magazin unter anderem auch Mel Gibsons mehrfach preisgekröntem Braveheart (1995). Die Überschrift: History vs. Hollywood – Fakten gegen Fiktion auf der Leinwand.

Darin werden historisch akkurate Begebenheiten und Fakten von Legenden, Ungenauigkeiten und anderen „künstlerischen Freiheiten“ getrennt. Wir fassen zusammen:

Das ist amaideas*

Ein ganz grosser Mythos, an den wir Filmfans seit Highlander alle immer felsenfest geglaubt haben: Die frühen Schotten trugen alle Kilts. Was bei Highlander noch halbwegs möglich wäre, ist bei Braveheart purer Hollywood-Kitsch. Karierte Gürtel und Kilts waren zur Zeit Bravehearts (ca. 1270 – 1305) noch gar nicht erfunden. Der erste verbriefte Einsatz des „Highland Dress“ fällt auf eine bildliche Darstellung von Mitgliedern eines schottischen Söldnerregiments im Dreißigjährigen Krieg (1631) – als über 300 Jahre später als im Film – zurück.

"Highland Dress" (mit Hosen, Tunika und belted plaid): Mitglieder eines schottischen Söldnerregiments im Dreißigjährigen Krieg (1631) bei der Landung in Stettin

Das ist tatsächlich passiert

Der im Film von Mel Gibson verkörperte William „Braveheart“ Wallace führte die Schotten 1296 tatsächlich in einem Aufstand gegen die Engländer an.

Filmszene aus Braveheart (1995) mit Mel Gibson als William Wallace

Das ist amaideas*

Robert the Bruce ist die absolute Hassfigur Nr. 1 in Braveheart. Er verrät Wallace, indem er sich auf dem Schlachtfeld plötzlich auf die Seite der Engländer schlägt und so den Niedergang von Wallaces Armee herbeiführt. Das ist erstunken und erlogen. In Wahrheit war es Sir John de Menteith, dem Burgherrn von Dumbarton Castle, der ihn gegen eine hohe Belohnung verraten hatte. Robert the Bruce hingegen, kämpfte auch nach Wallace Tod für Schottlands Unabhängigkeit und war sogar dessen Nachfolger als Guardian of Scotland. Von 1306 bis zu seinem Tode 1329 amtete er gar als Robert I. als König von Schottland. Ausserdem wurde – gemäss All About History – ihm zunächst der Spitzname „Braveheart“ verliehen.

Filmszene aus Braveheart (1995) mit Angus Macfadyen als Robert the Bruce

Das ist tatsächlich passiert

Die Schlacht von Stirling Bridge konnte Wallace – wie im Film – für sich gewinnen und wurde dann schliesslich in Falkirk besiegt.

Filmszene aus Braveheart (1995)

Das ist amaideas*

Es wird eine Affäre von Wallace und Prinzessin Isabella gezeigt und sogar angedeutet, dass sie ein Kind von ihm trägt. Die reale Isabella wurde 1295 geboren, während Wallace 1305 getötet wurde. Isabella wäre zum Zeitpunkt seines Todes demnach 10 Jahre alt gewesen. Das ist sogar für damalige Verhältnisse eindeutig zu früh. Abgesehen davon bekam Isabella tatsächlich ein Kind, jedoch erst im Jahr 1312, sieben Jahre nach Wallace‘ Tod.

Filmszene aus Braveheart (1995) mit Sophie Marceau als Königin Isabelle

Das ist tatsächlich passiert

William „Braveheart“ Wallace wurde wirklich gefangen genommen und hingerichtet. Hier hat sich Hollywood sogar noch etwas zurückhalten müssen, denn seine Hinrichtung war in Wahrheit noch viel brutaler und blutiger als im Film gezeigt.

Filmszene aus Braveheart (1995) mit Mel Gibson als William Wallace

Das ist amaideas*

Der verhasst englische König Edward I. (Longshanks) wird an seinem Totenbett gezeigt, wo er einschläft und stirbt. In Wirklichkeit kam er am 7. Juli 1307, zwei Jahre nach William Wallace‘ Tod, auf einem Feldzug gegen Robert the Bruce ums Leben. Begraben liegt er in einem Bleisarg, der nach seinem Wunsch durch einen Goldsarg zu ersetzen sei, sollte Schottland Teil des Königreiches geworden, also seine Eroberung abgeschlossen sein. Dies ist bis heute nicht geschehen, obgleich beide Länder seit 1707 ein Reich bilden. Letzten Endes hat William Wallace, auch über den Tod hinaus, gegen Longshanks triumphiert.

Filmszene aus Braveheart (1995) mit König Edward I. (Longshanks)

*amaideas: Schottisches Gälisch für Bullshit (frei übersetzt)

(Quellen: All About History, Wikipedia, 20th Century Fox)