Filmkritik zu REAL STEEL

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Vor dem Film hatte ich mir unter anderem die Frage gestellt: ist REAL STEEL the Real Deal? Die Antwort ist ernüchternd. Der passendere Filmtitel wäre: RIDICULOUS STEEL.

Man kann’s aber auch positiv sehen. Habe ich mich während des Films amüsiert? Und ob! In erster Linie lag das aber an der unglaubwürdigen, logikfreien Story und der unfreiwilligen Komik.

Dakota Goyo als Max Kenton in REAL STEEL (2011)Ich kann mir die Entstehungsgeschichte dieses Films lebhaft vorstellen. Da musses wohl ein Meeting in der Dreamworks-Führungsetage gegeben haben, bei der man sich sagte, dass so etwas wie TRANSFORMERS für die etwas jüngeren Kids, im Range von sagen wir mal 9-16 Jahren, braucht. Dazu noch eine bewährte Story – sagen wir mal die von Sylvester Stallones OVER THE TOP. Eine zeitgemässe Identifikationsfigur, die Jungs und Mädels in unserer Zielgruppe gleichermassen anspricht, so eine Figur wie sagen wir mal Justin Bieber. Wie bringt man das alles unter einen Hut? Versetzen wir das ganze in die nicht allzu ferne Zukunft, in der von Menschen gesteuerte Roboter – der brutalen Action im Ring willen – den Menschen als Boxer abgelöst haben (TRANSFORMERS: check). Eine sentimentale Vater-Sohn-Beziehungskiste soll dem ganzen einen Rahmen geben und unserer Zielgruppe eine Identifikationsmöglichkeit schaffen (OVER THE TOP: check). Einen unverbrauchten Schauspieler finden, der wie Justin Bieber aussieht und auch noch ein paar Moves wie er hinkriegt (Justin Bieber Lookalike: check). Da das ganze im Boxermilieu stattfindet kann man sich natürlich praktischerweise bei den gängigen Klischees aus ROCKY (sagen wir mal Teil IV) bedienen. Eine Prise MAD MAX 3: JENSEITS DER DONNERKUPPEL ist im Film übrigens auch noch zu finden. Die fertige Story sieht dann in etwa so aus:

Charlie Kenton (Hugh Jackman) ist ein äusserst talentierter Boxer, kann aber keine persönlichen Erfolge mehr erzielen. Der Boxsport im bekannten Sinn hat ausgedient, angesagt sind Hightech-Roboterkämpfe, bei denen hoch entwickelte, belastbare Maschinen gegeneinander antreten. Per Fernsteuerung durch den Menschen tragen sie im Ring ihre Kämpfe aus. Charlie lebt von den Gewinnen, aber oft auch von der Hand in den Mund. Viel Geld hat er selten zur Verfügung.

Als er sich nach dem Tod seiner geschiedenen Frau um seinen Sohn Max (Dakota Goyo) kümmern soll, ist er zunächst nur an dem damit verbundenen Geld interessiert. Denn nach ein paar Wochen in der Vaterrolle winkt ihm eine ordentliche Summe für das Abtreten des Sorgerechts. Doch Max lehrt seinen Vater, was es heisst, ein solcher zu sein. In der Begeisterung des Jungen für den Boxsport finden beide eine gemeinsame Grundlage. Als Max den scheinbar veralteten Roboter Atom findet, wird dieser nicht nur unerwartet zur Geld- und Erfolgsquelle, sondern auch zum neuen Champion am Boxhimmel und schweisst Vater und Sohn zusammen.

Quelle: OutNow.CH

REAL STEEL (2011)

 

Jeder halbwegs vernünftige Mensch dürfte sich spätestens jetzt mal die Frage stellen. Alles gut und recht. Doch wie in aller Welt ist man auf diese hanebüchene Idee mit den boxenden Robotern gekommen?

Rock 'Em Sock 'Em Robots (Spiel)

Sowas ist doch völlig verrückt und absolut neumodisches Zeugs! So etwas in der Richtung (einfach um ein paar Fluchwörter bereicht) hatte ich mir auch gedacht, als ich mir vor ein paar Monaten die ersten Trailer ansah. Doch die Antwort ist mehr als verblüffend. So neu und abgespaced ist diese Idee gar nicht. Im Gegenteil: genau wie bei BATTLESHIP, hat man sich auch hier ein wenig bei einem Spielklassiker (sagen wir mal) bedient. Dem in den USA äusserst populären Rock ‘Em Sock ‘Em Robots.

Hugh Jackman wirkt extrem gelangweilt. Des öfteren kann man ihn zudem beim Overacting ertappen. Generell drückt der Film immer wieder mal extrem künstlich und unpassend auf die Tränendrüse. Der junge Justin-Bieber-Verschnitt ist äusserlich auch dem weinerlichen Jungen aus OVER THE TOP nachempfunden. Der “böse” Roboter und seine russische Promoterin wurden ziemlich offensichtlich aus ROCKY IV abgekupfert. Aus meiner Sicht sind praktisch alle Schauspieler fehlbesetzt oder eben gelangweilt. Charakteren und Story fehlt es an Tiefe – und das nicht zu knapp. Es gibt bei den Charakteren aber auch ein paar Ausnahmen (Stichwort: Texaner), die für die wenigen Highlights im Film sorgen. Die Kampfszenen hingegen sind durchwegs gut gemacht, wobei halt auch hier immer wieder Rocky (einzelne Kampfszenen meine ich bei Rocky schon eins zu eins gesehen zu haben) durchscheint. Auch die CGI zeigt keinerlei Blösse. Trotz modernster Mittel wird in diesem Bereich auch heute in den Filmen noch allzu oft gepfuscht. Nicht so bei REAL STEEL. Das hat Transformers-Niveau.

Was – wie auch bei Kollege TRANSFORMERS – extrem auffällt, ist der exzessive Einsatz von Product Placement im Film. Der Film hatte sich wohl schon alleine dadurch refinanziert.

REAL STEEL (2011)

An REAL STEEL (oder wie ich es treffender buchstabieren würde REAL STEAL) gibt es viel auszusetzen. Doch die Summe dieser Dinge ist es, was den Film seinen trashigen Charme verleiht. Wer gerne ins Kino geht, um über solche Dinge zu lachen ist mit REAL STEEL bestens bedient. Ansonsten muss man 9-16 Jahre alt sein, um den Film wirklich zu lieben.

Egal was ich von dem Film halte, er ist jetzt schon ein Hit. Teil 2 dementsprechend schon in Planung. Der Kinostart ist für 2014 vorgesehen.

Domo arigato, Mr. Roboto!