Filmkritik zu HERE COMES THE BOOM – DAS SCHWERGEWICHT

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Kevin James wandelt auf den Spuren von Adam Sandler. Zusammen mit Sandlers Stammregisseur Kevin Coraci liefert er einen deftige Sportskomödie ab, die immerhin zünftig Spass macht.

Wer kennt sie nicht: Filme mit inspirierenden Lehrern, die ihren Schülern nicht nur Schulaufgaben, sondern auch gleich noch Lektionen fürs Leben mit auf dem Weg geben. Robin Williams als John Keating in DER CLUB DER TOTEN DICHTER (1989) ist wohl das bekannteste Beispiel dafür. Und dann gibt es noch die Sportkomödien. Jeder Comedy-Star muss mindestens eine gedreht haben: Will Ferrell hat gleich mehrere (TALLADEGA NIGHTS: NASCAR-Rennen, BLADES OF GLORY: Eiskunstlauf, KICKING & SCREAMING: Fussball, SEMI-PRO: Basketball), Ben Stiller und Vince Vaughn haben eine zusammen (DODGEBALL: Völkerball) und auch Rob Schneider (THE BENCHWARMERS, Baseball) und Jack Black (NACHO LIBRE, Wrestling) haben eine vorzuweisen. Der unbestrittene König der Sportkomödien ist aber Adam Sandler mit seinen Riesenhits THE WATERBOY und THE LONGEST YARD (beide American Football) und seinem Frühwerk HAPPY GILRMORE (Golf). Jetzt darf sich also auch Sandlers Protégé Kevin James (King of Queens) mit HERE COMES THE BOOM – DAS SCHWERGEWICHT dazu gesellen. Dabei ist er gleich beides in einem: inspirierender Lehrer und waghalsiger Sportler.

Szenenbild: HERE COMES THE BOOM - DAS SCHWERGEWICHT (2012)
 
Als der ausgepowerte und teilnahmslose Biologielehrer Scott Voss (Kevin James) erfährt, dass infolge Budgetkürzungen der Musikunterricht und dadurch auch die Stelle seines Vorbilds Marty (Henry Winkler) gestrichen wird, beschliesst er etwas dagegen zu unternehmen und das nötige Geld aufzutreiben . Wie damals schon Peter Parker in SPIDER-MAN, findet auch Scott Voss bald heraus, dass das Prügeln in Käfigen finanziell durchaus lohnenswert sein kann. Als Mixed Martial Arts (MMA) Fighter kann man bei der Profiliga UFC locker 10’000 Dollar garnieren, für eine Niederlage notabene. Um den Musikunterrichten zu retten, braucht er jedoch ganze 50’000 Dollar. Also nimmt der übergewichtige Lehrer, der in seiner Schulzeit als Ringer aktiv war, Nachhilfe in Sachen MMA-Fights. Nebenbei erobert Scott das Herz der schönen Schulkrankenschwester Bella (Salma Hayek), zeigt seinen Schülern, dass es sich lohnt für etwas zu kämpfen und lernt dabei gleich selbst noch seine Lektion und findet neuen Elan und Begeisterung für seine Arbeit als Lehrer.

Szenenbild: HERE COMES THE BOOM - DAS SCHWERGEWICHT (2012)
 
Diese hanebüchene Cinderella-Story erinnert ja streckenweise tatsächlich an WARRIOR (2011), in dem ebenfalls ein Lehrer(!) aus Geldnöten in den MMA-Ring steigt und eine wundersame Erfolgsgeschichte erlebt. Doch während in WARRIOR der Lehrer ein ziemlich fitter Ex-MMA-Pro ist, haben wir es in DAS SCHWERGEWICHT mit einem abgewrackten, massiv übergewichtigen, zwischen 40 und 50 Jahre alten Mann zu tun, der per Schnellbleiche eine der härtesten Kampfsportarten des Erdballs erlernt und sich sogar innert kürzerster Zeit in die Profiliga hochkämpfen kann, ohne sich dabei nennenswert zu verletzen. Und wozu das alles? Um den Musikunterricht an der Schule zu retten, die ihm doch eigentlich so scheissegal ist? Come on! Wer denkt sich denn solche Geschichten aus?

[highlight color="eg. yellow, black"]> HERE COMES THE BOOM – DAS SCHWERGEWICHT Trailer (öffnet in neuem Fenster)[/highlight]

Hinzu kommt, dass im Film nie etwas wirklich unvorhergesehenes passiert. Am Ende wird dem Zuschauer selbstverständlich das innigst herbeigesehnte Happy End serviert und zwar mit dem Hollywood üblichen extra Schuss Zuckerguss. Selbstverständlich gehört in so einen Film auch noch eine Dosis US-Patriotismus mit rein. Was die etwas sensibleren Kinobesucher abschrecken könnte: die Kampfszenen im Käfig sind mitunter ziemlich brutal.

Szenenbild: HERE COMES THE BOOM - DAS SCHWERGEWICHT (2012)
 
HERE COMES THE BOOM - DAS SCHWERGEWICHT ist total albern, vorhersehbar und klischeebeladen. So schlau war man aber schon vor dem Kinobesuch. Die angenehme Überraschung: der Film weiss trotz aller Wenn und Aber den ganzen Film über bestens zu unterhalten und gibt dem Zuschauer viel Gelgenheit zum herzhaft Lachen. Hinzu kommen liebenswerte Charaktere, dargestellt von gut aufgelegten Schauspielern und jede Menge Herz. Diese Kombination ist Adam Sandler in letzter Zeit leider nicht mehr gelungen.